Kritik zu „Makiko Hirabayashi-Trio“

Beglückende Momente

Ach nein, nicht schon wieder! Das vierte Mal in direkter Folge präsentiert die Initiative Jazz-BS dem Braunschweiger Publikum ein Klaviertrio. Mögen sich auch Schlagzeuger oder Bassist als Kopf des Trios präsentieren: da beißt keine Maus den Faden ab, dass das Klavier aufgrund seines Klangs und seiner technischen Möglichkeiten sehr schnell den dominanten Part übernimmt. Es ist nun einmal zugleich Harmonie- und Melodieinstrument. Und allzu oft entsteht dann ein intimer und recht kopflastiger moderner Jazz.
Freilich, ein Bass kann streckenweise dagegen angehen, die reine Begleiterfunktion in diesem Rahmen zu spielen. Wie aber soll das mit dem Schlagzeug, der Perkussion erreicht werden?
Das Konzert des dänisch-japanischen Makiko-Hirabayashi-Trios in den Räumen der Landessparkasse in der Dankwardstraße am Freitagabend zeigte zum zweiten Mal, dass und unter welchen Bedingungen Klavierdominanz produktiv gebrochen werden kann. War es beim letzten Jazzkonzert der überragende Bassist Dieter Ilg, so war es diesmal vor allem die Schlagwerkerin Marylin Mazur, die den Trio-Horizont auf überzeugende Art und Weise erweiterte.
Mazur, die sich durch ihre langjährige Arbeit mit Miles Davis und Jan Garbarek einen Namen machte, zeigte von Anbeginn, dass Perkussionsinstrumente und klasssiches Schlagzeug nicht nur dazu dienen, exotische Geräusche beizufügen. Die flirrenden Klänge der Zymbeln, die Holz-, Schellen- und Rasselsounds bis hin zum archaischen Wummern der indischen Tontrommel Madga öffneten die Musik in viele Richtungen. Das Besondere dabei war aber, dass die Tonhöhen auf die Klavier- und Bassmelodien abgestimmt wurden. Das Schlagwerk also als Melodieinstrument. Verblüffend und überzeugend, vor allem natürlich bei klangmalerischen Stücken wie „Clouds over Mt. Blanc“, „My Cherry Tree“, „Okinawa“ und vor allem „Rain“.
Die Komposition „Hide and Seek“ demonstrierte das Konzept des Trios nahezu wortwörtlich: ein verwirrendes, aber nicht verhirntes Versteckspiel. Mal fernöstlich-folkloristische Klänge, mal sehr freies atonales Klavierspiel, dann neoromantische Anklänge, klassische Anspielungen durchkreuzt von bissigen blue Notes.
Hirabayashis Klavierspiel wirkte einerseits beiläufig und filigran, andererseits auch kraftvoll phrasierend. Besonders überzeugend jene Momente, in denen ihr Spiel die Impulse der Rhythmussektion unmittelbar aufgriff und weiterentwickelte. Das führte dann zu beglückenden Momenten, in denen sich intensive Dialoge zwischen den Musikern entwickelten.
Dabei zeigte sich der Bassist Klavs Hovman als sehr feinfühliger Begleiter, der das Klavierspiel mit schönen Legato-Linien zu umspielen wusste, aber mit seiner Konzentration und Prägnanz auch für zahlreiche beflügelnde rhythmische Akzente sorgte.
Die Kommunikationsfreudigkeit der Musiker war schon beeindruckend, vor allem die Freundlichkeit im Umgang miteinander. Man ging nicht aufeinander los, sondern aufeinander ein. Es gab auch keine belanglosen Passagen des Konzertes. Rhythmische Kompaktheit traf auf höchste Präzision, melodische Überraschungen trafen auf strukturierte Linien.
Das Publikum war des Klaviertrios nicht überdrüssig, wie der begeisterte Beifall zeigte. Es erklatschte eine zweite Zugabe, was bei Jazz-BS wahrlich nicht oft geschieht.

Klaus Gohlke