Kritik zu „Dietmar Osterburg Trio“

BZ-Kultur: Das Dietmar Osterburg Trio. Freitag, 16. 12.2008 20 Uhr im Lindenhof Braunschweig.

Ach, so müsste man Gitarre spielen können

>„Lob ist etwas Feines, kann aber auch lähmen. Wenn die Jazz-Fachpresse einen Gitarristen „einen ganz großartigen europäischen Modern-Jazz-Gitarristen“ nennt bzw. sein Werk als
„Meisterwerk und Offenbarung“ anschwelgt, dann erwartet das interessierte Publikum Repsektables. Wie aber gehen die Musiker damit um? Das war die Frage, die sich am Freitagabend beim Jahresabschlusskonzert der Musikerinitiative Braunschweig auftat. Antwort geben musste das Dietmar Osterburg-Trio mit dem Braunschweiger Gitarristen Dietmar Osterburg , André Neygenfind aus Wolfsburg am Bass und Eddie Filipp am Schlagzeug, ebenfalls aus Braunschweig.
Und zunächst schien es auch so, als lähmte der Erwartungsdruck die Musiker eher. Die beiden ersten Stücke waren wohl gefällig, aber vom Aufbau und dem Tempo her recht ähnlich. Das ließ einen wohl anspruchsvollen, aber doch weniger spannenden Musikabend vermuten.
Je länger aber das Trio spielte, desto mehr kamen die solistischen Fertigkeiten und die Stärken des Zusammenspiels zutage. Osterburg demonstrierte beim ausgedehnten Intro seines Stückes „Candle“ seine stupende Fingerfertigkeit. Sehr schön die rasanten Singlenotes-Läufe und die diese unterbrechenden Akkordtupfer.
Ein Höhepunkt des ersten Sets war zweifelsohne Osterburgs komplexe Komposition „Meanwhile“. Die vertrackte Komposition bewältigte das Dreigespann elegant, das Zusammenspiel machte sichtbar Freude. Die Musiker verstanden es, die Dynamik des Stückes über einen langen Zeitraum zu entwickeln. Beeindruckend waren die Unisono-Passagen von Bass und Gitarre, die aber nicht ins Endlose ausgedehnt wurden. Hier phrasierte das Schlagzeug eigenständig – endlich mochte man sagen, denn zu oft begleitete der Drummer mehr, als dass er ganz eigene Akzente setzte.
Stilsicher bewegte sich das Trio zwischen den Genres moderner Jazzmusik, gleich ob Latin oder die Übertragung der schwedischen Ostküstenlandschaft in Soundscapes. Einmal, leider nur einmal, griff Osterburg zu seiner Solid-Body-Guitar und ließ es recht funky im ungraden Rhythmus jazz-rocken.
So ist es dem Dietmar Osterburg Trio gelungen, durch geschickte Kombination von Stilrichtungen, Tempi, musikalischen Formen einen sehr ansprechenden Musikgenuss zu verschaffen. Die Anfangszweifel waren unangebracht. Was sagte ein Zuhörer? „Ach, so müsste man Gitarre spielen können. Ich weiß gar nicht, wie der das macht!“ Genau! <

Klaus Gohlke