Uli Beckerhoff Quartett
plus special guest: Otto Wolters

Roter Saal im Schloss, Schlossplatz 1, 38100 Braunschweig

Uli Beckerhoff – Trompete und Flügelhorn
Richard Brenner – Piano
Moritz Götzen – Bass
Niklas Walter – Schlagzeug
Otto Wolters – Piano

Unmittelbar vor Weihnachten gastiert der Trompeter Uli Beckerhoff mit seinem neuen Quartett im Roten Saal des Braunschweiger Schlosses. Beckerhoff, der seit Anfang der Siebziger Jahre zu den führenden Vertretern seines Instruments in Deutschland und Europa zählt, hat sich für sein neues akustisches Quartett drei junge und hochtalentierte Musiker ausgesucht, die alle Eigenschaften mitbringen, die für eine große künstlerische Karriere Voraussetzung sind: höchste instrumentale Fähigkeiten, große emotionale Ausdruckskraft, Einfallsreichtum und Risikobereitschaft. Generationsübergreifend entsteht so der Raum für kreatives Zusammenspiel als Grundlage für Beckerhoffs vielseitige, swingende Kompositionen und seinen mal lyrischen, mal zupackenden Trompetenton.
Die Jazzinitiative Braunschweig hat Uli Beckerhoff im Verlauf seiner Karriere immer wieder vorgestellt: so mit den Gruppen „Riot“, „Changes“, der „International Skoda Band“ oder mit Formationen, die mit dem Braunschweiger Pianisten Otto Wolters verbunden sind. Bei unserem Konzert wird es deshalb auch zu einem Treffen dieser zwei Urgesteine des modernen deutschen Jazz und seiner pädagogischen Vermittlung kommen. Wolters wird als Gast bei einigen Stücken mitwirken.

Uli Beckerhoff spielte in zahlreichen Bands mit der Elite der deutschen Jazz-Musiker zusammen. Unter dem Namen „Changes“ stellte er Anfang der Achtziger Jahre zusammen mit Wolfgang Engstfeld, Ed Kröger, Peter Bockius und Peter Weiss die bedeutendste deutsche Neo-Bop-Gruppe zusammen, mit der er auf vielen europäischen Festivals auftrat. Er spielte in der Manfred Schoof Big Band, mit Charlie Mariano und Jasper van`t Hof, ebenso mit internationalen Jazzstars wie Stan Getz, Norma Winstone, John Taylor und vielen anderen. Er schrieb Auftragskompositionen für Rundfunksender. Beckerhoff hat an verschiedenen Institutionen als Pädagoge gewirkt. Seit vielen Jahren ist er Professor für Jazztrompete und Ensembleleitung an der Folkwang Hochschule in Essen.

Sein Schaffen ist auf zahlreichen Tonträgern dokumentiert.

» Weitere Informationen

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen/StudentInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Die Braunschweigische Stiftung
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „Uli Beckerhoff Quartett plus special guest: Otto Wolters“

Alte Hasen und junge Wilde
Das Uli Beckerhoff-Quartett und der Braunschweiger Jazz-Pianist Otto Wolters
als „Special Guest“ begeistern ihre Fans

Der Uli beschenkt den Otto und der Otto den Uli. Beide beschenken das Publikum und das beschenkt wiederum die beiden. Gelungene Weihnachten unter Jazzern, wobei der Uli das Ulrich Beckerhoff Quartett meint. Und der Otto ist der Braunschweiger Jazzpianist, den man gerne „Urgestein“ nennt, dabei ist er alles andere als Gestein, und ob er „Ur“ ist, soll beantworten, wer meint, es zu können. Ja, und das Publikum, das waren alle im ausverkauften Roten Saal des Braunschweiger Schlosses am Freitagabend, die dem Modern- Jazz-Konzert des Quartetts, für zwei Songs um Special Guest Otto Wolters erweitert, mit Sympathie und Vergnügen lauschten.

Ausverkauft- warum eigentlich? Nun, Otto Wolters hat viele Freunde in der Region, die wissen, dass er seiner Berufung, dem Jazz, immer noch mit Anspruch nachgeht. Und auch der Trompeten-Professor Uli Beckerhoff hat viele Anhänger hier. Einmal seiner Musik, seines ausgezeichneten Trompetenklangs wegen, aber auch, weil er mit Otto Wolters durch etliche gemeinsame Konzerte hier in Braunschweig schon als eine Art mystische Jazz-Einheit gilt.
Buddies, die für Jazz auf höchstem Niveau stehen. Eine innige Melange also aus persönlichem und allgemeinem Interesse auf allen Seiten.

Dabei war die Musik nicht unbedingt von einschmeichelnder Qualität. Sie war vielmehr bewusst anspruchsvoll, von gewissermaßen quer liegendem Charme. Durchaus Wohlklingendes wurde jäh mittels furioser Trompetenstöße oder -läufe in dissonantes Gestrüpp verwandelt. Unvermittelt wurden durch krassen Rhythmuswechsel lang durchgehaltene ostinate Bass-Passagen aufgebrochen ( „Capo d’Orlando“) und später wieder fortgeführt. „Heroes“ ließ merkwürdigerweise Erinnerungen an Miles Davis‘ frühe Elektrik-Phase, den Druck der Rhythmus-Gruppe vor allem, aufkommen. Soundlandschaften ließen sich erahnen, die nach schöner Entfaltung zerstört wurden. In „Tango Tragico“ zeigte diese musikalische Konzeption – man könnte sie „Änderung der Fahrtrichtung durch absichtliche Entgleisung“ nennen – recht humorvolle Züge. Ironischer Umgang mit dem typischen Tango-Rhythmus, melodische Verschleifungen, Stimmungswechsel zwischen überbordender Dramatik und Understatement ließen das Bild eines nicht ganz elegant ablaufenden Tanzabends aufkommen.

Das Quartett sorgte aber auch schon deshalb für Interesse, weil sich Beckerhoff als 70jähriger „alter Hase“ mit drei ‘“jungen Wilden“ umgab, nämlich Richard Brenner (Piano), Moritz Götzen (Bass) und Niklas Walter (Schlagzeug). Der Meister ließ ihnen völlig uneitel viel Raum, ihre musikalische Kompetenz zu entfalten. Und die war angenehm fern irgendwelcher Sturm- und-Drang-Kraftmeierei.

Aber – Anspruch und Konzept hin oder her: manchmal hätte man einfach Lust gehabt, sich musikalisch fallen zu lassen, sich mal richtig einem Groove hinzugeben. Aber vielleicht war das ja nur ein schwächelndes Begehren, das sich angesichts des unabwendbaren Weihnachtsgedudels draußen einstellte. Lang anhaltender Beifall.

Klaus Gohlke

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