Madras Special & Karnataka College of Percussion
We remember Charlie Mariano
50 Years Jubilee Tour of Karnataka College of Percussion

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

R.A. Ramamani – voc
T.A.S. Mani – perc
Ramesh Shotham – perc
Zoltan Lantos – violin
Sebastian Müller – guitar
Reza Askari – bass
Johannes Lemke – sax

Madras Special & Karnataka College of PercussionUm sein 50-jähriges Bestehen gebührend zu begehen, hat sich das Karnataka College of Percussion unter seinen Leitern R.A. Ramamani und T.A.S. Mani mit Madras Special von Ramesh Shotham zusammengetan, um mit einem gemeinsamen Programm „We remember Charlie Mariano“ auf Tournee zu gehen.
Das Karnataka College of Percussion wurde 1964 von T.A.S. Mani gegründet, um Musiker an den klassischen indischen Perkussionsinstrumenten auszubilden. Dank ihrer Leistungen und des reichen Erfahrungsfundus, den sie in über 30 Jahren zusammengetragen hat, hat sich diese Einrichtung stetig weiterentwickeln können und bei den jüngeren Generationen das Bewusstsein für die klassische südindische Musik wachgehalten und gefördert.
T.A.S. Mani hatte seine eigenen Vorstellungen, wie er seine Arbeit erfolgreich gestalten könnte, und auch dank der breiten Unterstützung, die er in seiner musikalischen Heimat Karnataka fand, gelang es ihm, die Grundlage für seine erfolgreiche Lehrtätigkeit zu schaffen. Die öffentliche Anerkennung seines College und seiner Arbeit kommt nicht zuletzt dadurch zum Ausdruck, dass er sein Land im Auftrag der indischen Kulturbehörde auf verschiedenen Musikfestivals vertreten hat und dass das College häufig von ausländischen Musikern und Kulturdelegierten besucht wird.

Seit 50 Jahren setzt T.A.S. Mani mit dem von ihm in Bangalore gegründeten Karnataka College of Percussion nicht nur mit der Vermittlung der klassischen südindischen Musik Maßstäbe, sondern auch mit genreübergreifenden Projekten. Zu seinen Schülern gehören viele Musiker von internationaler Bedeutung wie z.B. Trilok Gurtu und Ramesh Shotham, der hier und heute mit seinem Projekt „Madras Special“ auftritt. Mani machte sich aber nicht allein durch seine pädagogischen Tätigkeiten und die Leitung verschiedener Ensembles einen Namen, sondern auch als Komponist. Darüber hinaus leitet er das zehn­köpfige Elite-Ensemble „Tala Tarangini“, mit dem er im Rahmen verschiedener Projekte die klassische südindische Musik und deren rhythmische Spezialitäten, wie z. B. Konnakol, die südindische Trommelsprache, vorstellt.
Mit vornehmer Zurückhaltung, stets im Dienst seiner Musik, für die er lebt, entwickelt Mani sein virtuoses Spiel auf dem „mridangam“. Elegant spielt er beidseitig auf der klassischen Trommel und bringt so die „Königin der Perkussioninstrumente“, wie das Instrument bezeichnet wird, immer wie­der anders in das klangliche Erscheinungsbild ein.
R.A. Ramamani ist Sängerin, Komponistin und Lehrerin und genießt in der indischen Musik seit langem eine Ausnahmestellung; in indischen Musiker­kreisen heißt es, sie sei von indischen Gottheiten und Spiritualität umgeben. Seit ihrem fünften Lebensjahr hat sie eine fundierte Aus­bildung in der traditionellen südindischen Musik erhalten. Der Aufstieg zu einer der führenden Stimmen in der karnatischen Musik führte die Ausnahmesängerin auf die großen Festivalbühnen in Indien und Euro­pa, wo sie das Publikum durch die enorme Ausdrucksbreite ihres Gesangsstils von der vibratoreichen, instrumental geprägten Stimmführung bis zu improvisatorischen Kunstfertigkeiten begeisterte. Außerdem ist sie eine Spezialistin im Vertonen traditioneller Texte aus den alten südindischen Überlieferungen. Ihre Kompositionen sind seit langem ein stilprä­gender Faktor im Repertoire des Karnataka College of Percussion.
1980 war sie mit dem Karnataka College of Percussion auf Europatournee und trat 1983 beim Berliner Jazzfestival gemeinsam mit Charlie Mariano auf. Dem folgten zahlreiche weitere Projekte und Konzerte in Europa und immer wieder auch in Deutschland, wo sie zuletzt 2007 bei der Ruhr-Triennale zu erleben war.

Madras Special
Auch Ramesh Shotham stammt aus Südindien, lebt aber heute in Köln. Mit seinen subtilen, unaufdringlichen Rhythmen hat er eine Vielzahl musikalischer Begegnungen nachhaltig beeinflusst und ist ein prägender Brückenbauer zwischen verschiedenen musikalischen Kulturen geworden. Er hat mit Charlie Mariano, Rabih Abou Khalil, Carla Bley, Steve Coleman, Siggi Schwab und Embryo gespielt, und noch jedes Mal hat er der Musik mit seinen unverwechselbaren Grooves eine besondere Qualität verliehen. Madras Special ist ein Projekt, das er schon seit vielen Jahren betreibt und zu dessen aktueller Besetzung der ungarische Violinist Zoltan Lantos, der Gitarrist Sebastian Müller, der Bassist Reza Askari sowie der Saxofonist Johannes Lemke gehören.

Die Musik von „Madras Special“ ist inspiriert von klassischen südindischen Ragas und Talas sowie von der modernen Weltmusik. Auf der Grundlage komplexer Grooves, die nicht selten an rätselhafte mathematische Formeln erinnern, entwickelt die Band ein packendes Ganzes aus Jazz, Funk, Rock und Ethnomusik. Die musikalische Fusion verschiedener Kulturen wird hier Wirklichkeit.
Shotham wird heute als einer der erfolgreichsten Perkussionisten gefeiert. Er stand nicht nur mit führenden europäischen und amerikanischen Jazz- und Rockmusikern auf der Bühne, sondern spielte auch mit Künstlern aus Afrika, Australien, China, Korea, Taiwan und mehreren arabischen Ländern.
Das Projekt „Madras Special“ ist ein besonderes Kunstwerk zwischen Abend- und Morgenland, eine musikalische Reise durch die Kontinente mit vielen spannenden Umwegen zu unterhaltsamen, manchmal auch abenteuerlichen Ausflugszielen entlang der Route Köln-Madras.

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

» Weitere Informationen

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Enrico Rava New Quartet

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

Enrico Rava – Trompete
Francesco Diodati – Gitarre
Gabriele Evangelista – Kontrabaß
Enrico Morello – Schlagzeug

Sein einzigartiger Ton, seine Eleganz, sein lyrisches Spiel sind die Attribute, die für Enrico Rava typisch sind. Sie verschafften dem italienischen Jazz internationale Anerkennung – lange bevor andere italienische Jazzer diesen Ruf untermauerten.

Nach ersten Auftritten als Posaunist in traditionellen Jazzcombos wechselte er unter dem Einfluss von Miles Davis und Chet Baker zur Trompete, und bereits 1960 leitete er ein eigenes Quartett. 1964 gehörte er zum Quintett von Gato Barbieri.

Neben Steve Lacy spielte er mit südafrikanischen Musikern wie Louis Moholo und Joahn Dyani, bevor er 1967 nach New York ging, wo er mit Roswell Rudd, Marion Brown, Rashied Ali, Cecil Taylor, and Charlie Haden Musik machte. Zu einem kurzen Besuch nach Europa zurückgekehrt nahm er Platten mit Lee Konitz und Manfred Schoof auf.

Von 1969 bis 1972 arbeitete er in New York, wo er mit Carla Bley und ihrem Jazz Composers‘ Orchestra zusammentraf und mit der Truppe von Roswell Rudd spielte. Große Beachtung fanden auch seine Einspielungen mit Dollar Brand, Archie Shepp und Dino Saluzzi. In seinen eigenen Bands spielten u. a. John Abercrombie, Jeanne Lee, Roswell Rudd, Jean-François Jenny-Clark und Aldo Romano, aber auch argentinische Musiker, als er zeitweilig in Buenos Aires lebte. Während dieser Jahre komponierte er auch Filmmusiken, z.B. für Bernardo Bertolucci, und leitete seine eigenen Quartette und Quintette ohne Piano.

In den 1980er Jahren spielte er mit Gil Evans und Cecil Taylor, hatte aber auch immer eigene Gruppen, die zunächst noch im Jazzrock-Idiom spielten. Mehr und mehr galt sein Interesse jedoch der Komposition und der italienischen Tradition. In seinen Plattenprojekten Rava, L’Opera Va und Carmen beschäftigte er sich intensiv mit der Umsetzung von Opernarien in den Jazz. Mit dem Trompeter Paolo Fresu nahm Rava mehrere Platten auf, auf denen er sich mit den Trompetern in der Geschichte des Jazz beschäftigte (z.B. Bix, Shades of Chet, Play Miles Davis). Der Pianist Stefano Bollani ist zuerst in seinen Gruppen bekannt geworden. Seit 1997 ist der Posaunist Gianluca Petrella Mitglied seines Quintetts. Mit Gianluca Petrella, Eberhard Weber und Reto Weber war er auch im Trio bzw. Quartett The Europeans unterwegs.
ECM hat einige seiner wichtigsten Aufnahmen aus den 70er Jahren wiederaufgelegt, darunter The Pilgrim and the Stars, The Plot, und Enrico Rava Quartet, während Soul Note und Label Bleu CDs seiner innovativen Electric Five mit zwei elektrischen Gitarren veröffentlichte (tatsächlich war es ein Sextett, denn Rava hat die Angewohnheit, sich selbst nicht mitzuzählen.) Mit dem Keyboardmeister Franco D’Andrea und dem Trompeter Paolo Fresu nahm Rava  Bix and Pop und Shades of Chet, Tribute an Bix Beiderbecke und Armstrong sowie an Chet Baker auf. Erwähnunswert sind auch Rava l’Opera Va und Carmen, hinreißende Interpretationen von Opernarien.
2001 gründete er ein neues Quintett mit jungen Talenten wie Gianluca Petrella,Stefano Bollani, Rosario Bonaccorso und Roberto Gatto und tourte mit alten Freunden wie Roswell Rudd und Gato Barbieri, mit denen er 2004 Easy Living aufnahm. Drei Jahre später, nachdem Bollani, der sich inzwischen als Solist einen Namen gemacht hatte, durch Andrea Pozza ersetzt worden war, kam The Words and the Days heraus. 2007 veröffentlichten Rava und der Pianist Stefano Bollani das Album The Third Man und 2009 folgte New York Days, eine Sammlung stimmungsvoller Stücke mit Anklängen an den Film noir unter der Mitwirkung von Bollani (Piano), Mark Turner (Tenorsaxofon), Larry Grenadier (Bass) und Paul Motian (Schlagzeug). Für Tribe, das im Herbst 2011 erschien, überraschte Rava mit einem durch und durch italienischen Sextett: Gianluca Petrella (Posaune), Giovanni Guidi (Piano), Gabriele Evangelista (Bass) und Fabrizio Sferra (Schlagzeug), bei dem auch der Gitarrist Giacomo Ancillotto als Gast dabei war. 2012 erschienen das Album On the Dance Floor.
Erstaunlicherweise wurde sich Rava der Musik von Michael Jackson erst nach dessen Tod bewusst, und sie wurde zur Obsession. Das Album, sein Tribut an das, was er als Beitrag des verstorbenen Sängers zur Musik des 20. Jahrhunderts betrachtet, wurde mit dem Parco della Musica Jazz Lab in Rom aufgenommen und besteht nur aus Musik von Jackson.
Für 2015 ist eine neue CD mit Rava und seinem neuen Quartett mit Francesco Ponticelli, Gabriele Evangelista and Enrico Morello geplant.
2011 erschien Enrico Ravas Autobiografie, in der er auch seine vielen Begegnungen mit internationalen Größen des Jazz wie Gato Barbieri, Carla Bley, Don Cherry, Steve Lacy, Cecil Taylor und vielen anderen schildert

Wir freuen uns, Enrico Rava nach 1992, 1995 und 2008 (mit Stefano Bollani) wieder einmal in Braunschweig begrüßen zu dürfen.

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

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Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „Enrico Rava New Quartet“

Der Altmeister und die „jungen Wilden“
Das „Enrico Rava New Quartet“ verblüfft im Braunschweiger LOT-Theater

Das Haupthaar trägt er immer noch offen und lang, ungezähmt, nunmehr aber angegraut. So auch sein Schnurrbart. Leicht gebeugt geht er zur Bühne, der Leitwolf Enrico Rava, 76jähriger Startrompeter aus Italien. Und hinter ihm seine drei Jungwölfe. Ein Generationenprojekt, so scheint es. Alter Mann, erfahrungssatt, wehmütig-altersweise trifft auf ungebändigten Lebenswillen. Folglich: ein Abend mit kontrollierter Musik und einigen Eskapaden, letztlich von Melancholie umflort. Wirklich?
Falsch, völlig falsch. Der Opener ist schon Programm. Eine ostinate Bassfigur, cleane Gitarre im frisellschen Schwebesound, dezentes Schlagwerk. Heraus schält sich in bestechendem Unisono eine wundervoll leichte Melodie, die, kaum entfaltet, nach allen Regeln der Jazzkunst verwandelt, verfremdet, zerstört wird und in einen beinahe freien sehr druckvollen Improvisationsteil mündet. „Cornette“, eine hintergründige Hommage an Ornette Coleman, endet wieder mit der strahlenden Melodie, die anfangs zu hören war.
Kontraste, das Zusammenführen ganz unterschiedlicher Traditions- und Gestaltungselemente war die Devise für dieses Konzert. „Wild dance“: Eine theatralische Eröffnung mit Trommelwirbel, Crescendo und Tusch wird fortgeführt mit einem orchestralen Gitarrenpart, der sich zu einem fetten Metal-Klang mausert. Dann ein nahezu bruchloser Übergang in swingenden Jazz, Zitate aus dessen Frühphase. Oder „Space Girl“: Ein vager, martialischer Rhythmus zunächst, dann Anklänge an Melodien des „Great American Songbook“ mit schönen lyrischen Flügelhorn-Passagen.
Gewissermaßen war das Konzert eine gelungene Irreführung. Es lag ja nahe, zu meinen, dass Ravas „New Quartet“ eine Live-Version der jüngsten Studioproduktion „Wild Dance“ abliefert. Feiner ECM-Sound, ausbalanciert, eher dezent, wehmütig, hier und da Ausbrüche, aber voller Affektkontrolle.
Eben das geschah nicht, und das lag an der losen Leine für die „jungen Wilden“, allen voran Gitarrist Francesco Diodati. Packend seine Arbeit am Griffbrett, absolut überzeugend der Einsatz der elektronischen Effekte. Was Gabriele Evangelista am Kontrabass leistete, war schon rein physisch unglaublich. Die rasend schnelle Begleitung nicht nur bei „Happy Shade“, insgesamt seine Art des Zusammenspiels auf der rhythmischen Ebene war beeindruckend. Und schließlich Enrico Morello am Schlagzeug: elegante Leichtigkeit, ein Dynamikexperte und Kenner aller möglichen Spielvarianten in der Geschichte seines Instruments,: bewundernswert. Und Rava selbst? Sein Spiel ist intensiv, elegant: von Leichtigkeit geprägt, aber auch von Eruptionen reiner Expressivität. Woher Rava in dem Alter noch die Kraft, vor allem die Luft für das intensive Trompetenspiel nimmt, wissen die Götter.
Insgesamt eine tolle Mixtur aus Kraft, Eleganz, einem Blick in sehr unbestimmte ferne Gefühlswelten und auch Grandezza. Das Publikum im ausverkauften Haus war beeindruckt.

Klaus Gohlke

Shoot the Moon

Theatersaal im Lindenhof, Kasernenstraße 20, 38106 Braunschweig

Almut Schlichting – Saxofon, Komposition
Winnie Brückner – Gesang
Tobias Dettbarn – Bassklarinette
Sven Hinse – Kontrabass
Philipp Bernhardt – Schlagzeug

Musik für fantasievolle Seelen und unruhige Geister – so etwa lauten die Kritiken, mit denen die junge Band um Almut Schlichting belegt wird. Die Kompositionen für das Ensemble, das inzwischen bereits drei CDs veröffentlicht hat, schreibt die Bandleaderin selbst, wobei sie Elemente aus ganz unterschiedlichen zeitgenössischen Musikstilen spielerisch miteinander verbindet: Anklänge an amerikanischen Folk und europäische Volksmusiken, Swing und klassische Moderne, Pop und Rock verknüpft sie zu einem frischen, frechen Jazz mit Songcharakter, der gekonnt auf die Vokalistin Winnie Brückner zugeschnitten ist. Ansonsten kommt die Band mit zwei Bläsern, Bass und Schlagzeug aus, also ohne Akkordinstrument, wodurch sich den Solisten einige Freiheiten bieten.

Mit dieser Band können wir zum dritten Mal in diesem Jahr einen aus Braunschweig stammenden Musiker vorstellen: Seit einem Jahr gehört der Schlagzeuger Philipp Bernhardt dazu, den wir natürlich besonders herzlich begrüßen.

Das Berliner Quintett Shoot the Moon entwickelt aus den farbenfrohen Songs der Bandleaderin Almut Schlichting ein dichtes Netz an Erzählebenen, in das sich der Zuhörer mit seiner eigenen Fantasie fallen lassen kann.

Lebendig werden die Songs durch die traumwandlerisch eingespielte Band; durch den virtuosen Charme der Gesangsparts, die warmen Sounds der Bassklarinette und des Altsaxofons, die durchlässig groovende Rhythmusgruppe und die fantasievollen Improvisationspassagen.

Shoot the Moon waren 2005 Preisträger des Studiowettbewerbs des Berliner Senats und haben inzwischen drei von der Presse hochgelobte CDs veröffentlicht. Seitdem haben sie sich in zahlreichen Club- und Festivalkonzerten in die Herzen des Publikums gespielt.

Pressestimmen

„Eingängige Melodien, vertrackte Grooves und witzige Texte“
Kulturradio vom rbb / Ulf Drechsel

„Frischer, frecher Jazz mit Songcharakter“
BR-KLASSIK / Beate Sampson

„Großartige Szenen in dichten Interaktionen… Unbedingt hören!“
Jazzzeitung / Hans-Dieter Grünefeld

„Eine subtil groovende harmonische Achterbahnfahrt,die mit rasanten
Loopings den Puls beschleunigt“
Nürnberger Nachrichten / Peter Gruner

„Musik für fantasievolle Seelen und unruhige Geister“
melodiva / Tina Karolina Stauner

„Luftig und sommerlich“
Jazz Thing / Rolf Thomas

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
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Eintritt: Abendkasse 19 € / 17 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „Shoot the Moon“

Kein Schuss in den Ofen

Die Initiative Jazz Braunschweig eröffnete die Konzertsaison 2015/16 mit der Berliner Band „Shoot the moon“ unkonventionell

Wie bekomme ich es hin, einzigartig zu erscheinen? Eine schwierige Kiste. Zum einen, weil jeder Mensch von vornherein einzigartig ist, siehe Fingerabdruck. Der aber ist – und da beginnt eben das Problem – nicht für jedermann sofort erkennbar.
Auch Jazzmusiker müssen Alleinstellungsmerkmale finden. Verkaufspsychologisch gesprochen, erhöht man so die Nachfrage und damit den Marktwert. Vorausgesetzt, das Besondere kommt nicht zu grob daher. Etwa der lauteste Drummer oder der speedigste Gitarrist zu sein.
Etwas Interessantes hat sich da die Berliner Kapelle „Shoot the Moon“, insbesondere die Bandleaderin und Saxofonistin Almut Schlichting ersonnen. Sie suchte Inspiration für ihre Jazztruppe in eher weltlichen Musiken des Mittelalters. In irischen Liedern, deftigen Volksfest-, Spott- und Tanzmusiken, aber auch im nordamerikanischem Country Blues. Und schrieb – weil die Band mit Winnie Brückner eine ausdrucksstarke Sängerin hat – ausgesprochen witzige bis skurrile Texte für ihre Kompositionen.
So fand sich das Braunschweiger Jazzpublikum am Freitagabend im Lindenhof plötzlich in der eigenartigen Welt der „Saints and fools“, der „Heiligen und Narren“ wieder. Piratenkönigin, Elisabeth I., St. Blaise, Sankt Barbara, Maria, Lucia, Wolf, Esel, Kaninchen und der große schwarze Hund gaben sich die Ehre. Und das auf eine Art und Weise, die im Jazz nicht oft anzutreffen ist, nämlich humorvoll.
Da wurden die heiligen Schutzpatrone kurzerhand in die Weltstadt New York versetzt, textlich und musikalisch. Sie wurden angefleht, den Kaffeestrom nie abreißen zu lassen und was es sonst noch so an Großstadtproblemen gibt. Aber nicht in Form frommer Choräle, das höchstens mal als ein fernes Zitat. Es war in diesem Falle eher programmartige „Fetzenmusik“, die in oft kurzen und dissonanten Phrasen das „Big Apple“-Gebrodel widerspiegelte. Der alle Ausdrucksspektren durcheilende Gesang – Rock, Pop, Soul, Blues, Lied und Rap durchmischend, wurde instrumental durch- und unterbrochen, kommentiert, kontrastiert hervorgehoben. Bassist Sven Hinse und Schlagzeuger Philipp Bernhardt hatten dabei eher die Aufgabe, für die beiden absolut überzeugenden Bläsern, neben Schlichting der Bassklarinettist Tobias Dettbarn, das rhythmische Korsett zu bilden. Sie taten es absolut zuverlässig und funktional.
Freilich – diese Art Musik voller Brechungen, die mit den Genres spielte, ist sehr durchkomponiert. Die üblichen lockeren Solo-Passagen gab es weniger. Dafür aber ein hoch komplexes, anregendes Konzert, das den Zuhörern erkennbar Spaß machte. Ein viel versprechender Auftakt.

Klaus Gohlke

Konglomerat

Roter Saal im Schloss, Schlossstraße 1, 38100 Braunschweig

Gustav Geißler (Altsaxophon)
Luise Volkmann (Altsaxophon)
Athina Kontou (Bass)
Philip Theurer (Schlagzeug)

KonglomeratDas Leipziger Quartett Konglomerat gibt dem Jazz einen neuen aufregenden Charakter, indem es das Genre für sich neu definiert und um Attitüden erweitert, die abseits des klassischen Jazz liegen. Zahlreiche Auftritte in renommierten Häusern und bei namhaften Festivals in Deutschland (Oetkerhalle, Diagonale [Bielefeld], LOFT [Köln], Theater [Gütersloh], Straßenfestival [Ludwigsburg]) oder die Deutschland-Tour mit der New Yorker Band VAX im Jahr 2014, die Konglomerat auch erstmals in den Roten Saal führte und das Publikum begeisterte, sind Belege für eine hervorzuhebende musikalische Qualität des Quartetts.

Im September 2015 wird es sein erstes Studioalbum beim Leipziger Label Resistant Mindz veröffentlichen. Konglomerat ist die Ansammlung von Kreativität und Energie. Ist ein Potpourri aus experimentellen Tönen. Ein Sammelsurium von Ideen.

Veranstalter: Abteilung Literatur und Musik: Louis Spohr Musikzentrum und Kulturinstitut

Karten in allen bekannten Vorverkaufsstellen, online hier oder telefonische Reservierung unter 0531 470-4848.

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Eintritt: Abendkasse 10 € / 5 € (ermäßigt), Vorverkauf 8 € / 4 € (ermäßigt, inkl. Gebühren)

Interview mit Jürgen Friedrich

Neustart mit Elementarteilchen
Der Jazz-Pianist Jürgen Friedrich über die Hintergründe seines Braunschweiger Auftritts in Doppelbesetzung

Jürgen Friedrich, Pianist, Komponist, Dirigent und Hochschullehrer in Köln und Mannheim für Jazz, Improvisation und zeitgenössische Musik, sowie bekennender Gr. Schwülperaner, wird am kommenden Freitag im Lindenhof Braunschweig mit seiner aktuellen Band ein Konzert geben. Klaus Gohlke sprach mit dem 45-jährigen.

Jürgen, nach längerer Zeit mal wieder ein Konzert in Braunschweig. Vorfreude?

Na klar. Ich hoffe der Saal im Lindenhof wird voll.

Du gibst gewissermaßen ein Doppelkonzert. Du trittst mit dem Trio „Reboot“ und als Duo „Nano Brothers“ auf. Sehr ungewöhnlich!

Das ist auch einmalig, nur für Braunschweig. Die Initiative Jazz Braunschweig wusste, dass beide Projekte derzeit laufen und fragte an, ob man nicht beides verbinden könne. Deshalb also.

„Reboot“ – das ist ja Computersprache und meint „Neustart“ oder „Wieder hochfahren“. Inwiefern startest du neu?

Ich habe vorher an einem sehr komplexen Projekt gearbeitet. „Monosuite“, eine Komposition für ein 22köpfiges Streichorchester und ein Jazzquintett. Danach brauchte ich Urlaub. Der Beginn dann wieder in kleiner überschaubarer Besetzung, das fühlte sich an wie ein Neustart, wiedergewonnene Freiheit.

Und wieso Nano Brothers?

Das ist ja ein Piano-/ Saxofon-Duo. Wir spielen ausschließlich improvisierte Musik, teilweise ganz frei. Und die Ideen, die wir beim Spielen entwickeln, setzen sich aus kleinsten Elementen zusammen, Nano-Teilchen.

In der Konzertankündigung wird eure Musik charakterisiert als „alter Blues, zeitgenössische Musik, fast Pop, freie Harmoniewelt“. Das klingt nach Sammelsurium. Für jeden etwas.

Absolut nicht, keine Mixtur und keine Anbiederung. Es ist nur so, dass alle im Trio eine bestimmte musikalische Geschichte haben. Und wenn du improvisierst, kommen ja die Ideen nicht aus dem luftleeren Raum, sondern aus deinen musikalischen Erfahrungen. Das wollen wir auch nicht leugnen, sondern ehrliche Musik machen. Wir wollen in unserer Musik authentisch sein und nicht etwas vorspiegeln.

Deshalb auch ein Rückgriff auf Arnold Schönberg und Witold Lutoslawski auf eurer CD?

Genau. Ich habe einen starken klassischen Background. Und der ist für einen Jazzmusiker die wahre Freude. Das ist wie ein Reich gefüllter Obstkorb: heiße Taktarten, tolle Intervallsprache. Eine Inspirationsquelle. Ich trenne nicht zwischen Jazz und E-Musik. Mir geht es um Musik, die Menschen interessieren und gefallen kann.

Jürgen Friedrich: Reboot/Nano Brothers. Jazzkonzert. Freitag, 26. 06.2015 20 Uhr. Lindenhof Braunschweig, Kasernenstraße.

Kritik zu „Jürgen Friedrich: REBOOT & NANO BROTHERS“

Jenseits ausgetretener Wege

Jürgen Friedrich und seine Mitspieler zeigen einen völligen freien Umgang mit musikalischen Trends

Jürgen FriedrichDer Mann hat eine klare Botschaft, man könnte auch sagen: Er ist Testamentsvollstrecker. Ganz im Geiste der Jazz-Überväter Charlie Parker und Miles Davis hat er keine Lust auf Denkverbote in der Musik. „Ich spiele nicht Jazz, ich mache Musik!“, sprach Miles. Das führt der in Braunschweig geborene und in Köln lebende und lehrende Jazzpianist Jürgen Friedrich am Freitagabend im Braunschweiger Lindenhof bei einem gut besuchten Konzert anschaulich vor. Und zwar höchst spannend, unterhaltsam und hintersinnig. Ein Wechselbad zwischen abstrakter Tontüftelei und Vollbad im Wohlklang. Zwischen traditioneller Komposition und freiestem Spiel. Zwischen neu interpretierter Klassik und rasantem Bebop.

Freie Improvisation  bzw. Echtzeit-Komposition – für viele eher eine Schreckensvorstellung hektisch-strukturlosen Vor-sich-Hinspielens. Ganz anders aber das Ruf-Antwort-Spiel von Jürgen Friedrich an den Tasten und Johannes Ludwig am Altsaxophon.

Eine Tonvorgabe, vielleicht zwei. Wie nun reagieren? Kopieren? Verschieben? Veränderung des Intervalls oder aber der Dynamik? Oder aber eine Tonfolge dagegen  setzen, einen Akkord? Rhythmische Abänderungen? Eine große Bandbreite von musikalischen Reaktionsmöglichkeiten breiten die beiden Musiker aus. Wunderbar verfolgbar, weil das Arbeitstempo bei dieser Spielweise zwangsläufig herunter gefahren ist. Ja, mitunter hört man mit Schadenfreude: Wie wohl wird der Pianist auf mikrotonale Verschiebungen des Saxophonisten reagieren? Kriegt er das überhaupt hin? Heiße Tüftelei, bei der allein das Zusehen schon großen Spaß macht, insofern sich das Zusammenspiel auch mimisch und gestisch ausdrückt.

Aber auch die Trio- und Quartettarbeit  folgte der Devise: Keine bloße Unterhaltung, keine pure Hirnakrobatik. Devise: „Ihr sollt euch wohlfühlen, aber lasst es uns nicht zu leicht sein!“ Z.B. bei der Bearbeitung der Witold Lutoslawski-Komposition „Invention“. Im Original eine knapp einminütige Entfaltung  eines musikalischen Einfalls. Wie auch beim später gespielten Schönberg-Klavierstück 11/1 ein sehr interessanter Testfall für das Verhältnis von Jazz und klassischer Musik. Schlagzeuger Fabian Arends deutete die „Invention“ auf ganz andere Weise als der Bassit David Helm. Drei Musiker, drei rhythmisch- harmonisch sehr unterschiedliche Lesarten. Und zur Abwechslung dann ein Entspannungsbad in schönen Melodien und Harmoniefolgen („Reboot“). Ist das nun Jazz oder „Neue Musik“ oder was sonst? Auf jeden Fall Musik, an- und aufregend.

Klaus Gohlke

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Jürgen Friedrich: REBOOT & NANO BROTHERS

Lindenhof, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Johannes Ludwig – Saxofon
Jürgen Friedrich – Klavier
David Helm – Bass
Fabian Arends – Schlagzeug

Jürgen Friedrich stammt ja ursprünglich aus Braunschweig. Zum Studieren ging er nach Köln und begann eine bemerkenswerte Karriere als Pianist, Komponist und Pädagoge. Heute bringt er zwei ganz aktuelle Bands nach Braunschweig, das Klaviertrio REBOOT und das Improvisationsduo NANO BROTHERS.

REBOOT ist sein magisches neues Trio, für das er mit David Helm und Fabian Arends kongeniale Partner gefunden hat. Die drei spielen archaische Musik von komplexer Schönheit. Sie wurzeln tief im Jazz, kombinieren alten Blues mit zeitgenössischer Musik, sind mal fast popmusikalisch unterwegs und wandeln dann wieder frei durch harmonische Fantasy-Welten. Die CD Reboot ist 2015 auf Nils Wograms Plattenlabel NWOG Records erschienen.

Die NANO BROTHERS sind die beiden klassisch ausgebildeten modernen Jazzmusiker Johannes Ludwig und Jürgen Friedrich. Sie spielen in diesem Duo ausschliesslich nicht notierte Musik, frei improvisiert oder nach Miniaturkonzepten aus ihrem selbst entwickelten Improvisations-Songbook. Dieses Prinzip ist für das Publikum besonders spannend und wird begeistert aufgenommen. Die CD Echtzeit erscheint im Frühjahr 2015 bei FLOATmusic.

Johannes Ludwig
… studierte Jazz-Saxofon in Nürnberg und Jazz-Komposition/-Arrangement in Köln bei u.a. Hubert Winter, Steffen Schorn, Klaus Graf, Sebastian Sternal, Joachim Ullrich und Frank Gratkowski. Als Musiker und Komponist bewegt er sich in einem breiten musikalischen Spektrum, von zeitgenössischem Jazz über Pop bis zu improvisierter Musik. Er ist in diversen Projekten deutschlandweit aktiv, vor allem mit dem Johannes Ludwig Quartett, in Duos mit den Pianisten Andreas Feith und Jürgen Friedrich und der Band Jilman Zilman.
… betreibt im traditionsreichen Kölner Club Subway mit Jens Böckamp und Janning Trumann das Subway Jazz Orchestra, eine Bigband, die einmal im Monat auftritt und fast ausschließlich selbst arrangierte Programme spielt.
… war Mitglied im Landesjugendjazzorchester Baden-Württemberg und im Bundesjazzorchester, mit dem er in Südafrika und Indien auf Tour war.
… betreibt gemeinsam mit Jens Böckamp sein eigenes Label FLOATmusic, wo auch sein aktuelles Quartett-Album “Airborne” und das Duo-Album „Echtzeit“ mit Jürgen Friedrich erscheint.
www.johannesludwig.com

Jürgen Friedrich
… hat Klavier und Komposition an der Musikhochschule Köln studiert und reiste oft in die Jazzmetropole New York. Er ging mit Kenny Wheeler auf Tour (CD Summerflood), spielte mit John Hébert und Tony Moreno beidseits des Atlantiks (CD Pollock) und realisierte Musik für Streichorchester und Improvisatoren (CD Monosuite). Als Pianist des Cologne Contemporary Jazz Orchestra CCJO ist er an zahlreichen Uraufführungen im Kölner Stadtgarten und im WDR beteiligt.
Neue Projekte sind u.a. das frei improvisierende Duo Nano Brothers mit Johannes Ludwig und das moderne Klaviertrio Reboot mit David Helm und Fabian Arends.
… unterrichtet Klavier an der Musikhochschule Köln und betreut den Masterstudiengang für Komposition und Arrangement an der Musikhochschule Mannheim.
… spielte mit Julian Arguelles, Matthias Bergmann, Hayden Chisholm, Tobias Christl, John Hollenbeck, der HR-Bigband, Peter Kahlenborn, Achim Kaufmann, David Liebman, Robert Lucaciu, dem Maria Schneider Jazz Orchestra, Ben Monder, der NDR-Bigband, Gabriel Pérez, Céline Rudolph, Norbert Scholly, Philipp Scholz, Loren Stillman, Sunday Night Orchestra, Christian Thomé, Nils Wogram.
… gewann den Gil Evans Award for Jazz Composition, den Jazzpreis Niedersachsen und den Förderpreis der Stadt Köln für Jazz und Improvisierte Musik.
www.juergenfriedrich.net

David Helm
… hat an der Musikhochschule Frankfurt und der Musikhochschule Köln studiert.
… spielte mit Jonas Burgwinkel, Mark Dresser, Anette von Eichel, Kurt Elling, Sebastian Gille, Niels Klein, Matthias Nadolny, Barre Phillips, Florian Ross, Sebastian Sternal und ist festes Mitglied des Subway Jazz Orchestra.
… war Mitglied des Bundesjugendjazzorchesters.
… gewann Preise beim Sparda-Jazz Award Düsseldorf und bei Jugend Jazzt auf Landes- und Bundesebene.

Fabian Arends
… hat an der Musikhochschule Köln studiert.
… spielte mit Hubert Nuss, John Goldsby, Uli Beckerhoff, Ingmar Heller, Nicolas Thys, Jason Seizer, Thomas Rückert, Robert Landfermann, Pablo Held, Gerd Dudek, Dieter Manderscheid, Henning Berg, der NDR-Radiophilharmonie, dem EOS-Kammerorchester Köln, der Jungen Deutschen Philharmonie, dem WDR-Rundfunkchor.
… war Mitglied des Bundesjugenjazzorchesters.
… gewann den Praetorius Musikpreis Niedersachsen, den Sparda-Jazz-Award Düsseldorf, den Junge Münchener Jazzpreis.
www.fabianarends.com

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

Eintritt: Abendkasse 19 € / 17 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

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Heinz Sauer & Daniel Erdmann Quartett

Lindenhof, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Heinz Sauer – Tenorsaxofon
Daniel Erdmann – Tenorsaxofon
Johannes Fink – Bass
Christophe Marguet – Schlagzeug

Sie sind – jeder für sich – zwei profilierte Individualisten, die nun zusammengefunden haben. Heinz Sauer nennt der Jazzpublizist Hans-Jürgen Schaal „die unbeugsame Instanz des deutschen Jazz“, die sich aus dem Schatten der amerikanischen Idole freispielte und seitdem ihren eigenen Weg geht – bis heute „mit vollem Risiko“, wie im improvisierenden Duo mit Michael Wollny. Über Daniel Erdmann sagt der Jazzkritiker Wolf Kampmann, er besitze das „Mangelsdorff-Gen“, und meint damit: „Es ist ihm ein Bedürfnis, in jeden einzelnen Ton Tiefe, Bedeutung und Brisanz zu legen.“

Das hört man u. a., wenn sich Erdmann und das Trio „Das Kapital“ mit der Musik Hanns Eislers auseinandersetzen. Jetzt tritt Erdmann mit Heinz Sauer in einen lebendigen Dialog: „Mit Heinz zu spielen ist tatsächlich eine Chance, denn er ist ein wirklich einzigartiger Musiker. In seinem Spiel ist eine Dringlichkeit, Ehrlichkeit, Poesie. Er hat eine unverkennbare Stimme, einen sehr inspirierten Sound. Und das verbindet uns auch: die Wichtigkeit des Klanges unserer Instrumente.“

Den verehrten Kollegen hatte Erdmann noch in Konzerten mit Albert Mangelsdorff gehört. „Ihre frühen Platten habe ich erst später wahrgenommen, und das war wirklich eine Offenbarung, denn die ähneln in Ansatz und Struktur meinem Ideal von zeitgenössischer Jazzmusik. Mit anderen Worten: ich kann mich mit diesen Musikern und dieser zeitlosen Musik identifizieren, auch wenn meine Geschichte und Einflüsse andere sind.“

Den Bezugspunkt Mangelsdorff hat das Quartett „Special Relativities“ inzwischen hinter sich gelassen. Sauer, „der Mann, der sich nicht ausruht“ (Berliner Zeitung), fände den Blick zurück vermutlich „unproduktiv“. Stattdessen haben die beiden Instrumentalkollegen mit Bassist Johannes Fink (Joachim Kühn Trio, Aki + the Good Boys) und Schlagzeuger Christophe Marguet (Joachim Kühn, Sébastien Texier) ein eigenes Koordinatensystem entworfen. Die Grundlinien: expressive Melodiösität, ein narratives Klang-Vokabular und die Lust am freien Spiel der Fantasie.

(Text : Tobias Richtsteig)

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
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– Abendkasse
– und weitere …

Eintritt: Abendkasse 19 € / 17 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Interview mit Heinz Sauer & Daniel Erdmann

Vierer mit zwei Steuermännern
Das Heinz Sauer/Daniel Erdmann Quartett spielt am kommenden Freitag im Braunschweiger Lindenhof modernen Jazz

Eine seltsame Konstellation: 82 Jahre alt ist Heinz Sauer, eine Tenorsaxofon-Legende; Daniel Erdmann, ein Braunschweiger Gewächs, das sich in die erste Liga des Jazz gespielt hat, mit seinen 41 Jahren genau halb so alt. Wie geht das zusammen und warum? Das, aber auch Fragen nach der gegenwärtigen Situation der Jazzmusik, erkundete unser Mitarbeiter Klaus Gohlke im Gespräch mit den beiden Musikern.

Herr Sauer, Sie sind 82 Jahre alt. Warum dann noch Tour-Stress?

Das ist ja keine Tour, sondern mal hier und da ein Konzert. Soll ich mich in den Sessel setzen und auf den Tod warten? Das ist nicht mein Ding.

Sie spielen gern mit sehr viel jüngeren Musikern zusammen.

Ja, das ist einfach interessanter. Jazz, das ist Improvisation. Bei älteren Musikern besteht die Gefahr, dass sie nicht mehr improvisieren, sondern eher schematisch Gewohntes runterspielen. Immer die gleichen Phrasen. Bei Daniel Erdmann jetzt oder auch beim Pianisten Michael Wollny, da weiß man nie, was im nächsten Moment kommt. Das ist aufregend spontan.

Herr Erdmann, Sie sind in Wolfsburg geboren…

Ja, schon, meine jazzmusikalischen Wurzeln befinden sich aber in Braunschweig. Bei George Bishop habe ich Saxofonspielen gelernt. Es gab im Städtischen Museum tolle Jazzkonzerte, auch bei Otto Wolters habe ich mitgespielt. Braunschweig war ja eine kleine Jazz-Hochburg. Nils Wogram, Jürgen Friedrich, die Groß-Schwülperer, waren kurz vor mir am Wirken.

Sie spielen mit Heinz Sauer zusammen? Was ist das Besondere? So etwas wie ein Showdown? Oder eher Unterstützung eines älteren Kollegen?

Um Himmels willen, weder noch. Heinz – das ist die absolute Klarheit beim Spielen, aber zugleich auch Poesie. Er sucht den perfekten Klang. Es gibt bei ihm keine Beliebigkeit, jeder Ton ist wichtig. Er ist ehrlich im Spiel, nie geschwätzig. Das macht unheimlich Spaß.

Aber zwei Tenorsaxofonisten in der Band, kein Harmonieinstrument – ist das nicht etwas eigenartig?

Ja, schon, wenngleich nicht völlig neu. Der Bassist übernimmt teilweise den Harmoniepart. Er spielt oft gestrichen oder mit Doppelgriffen. Aber nicht nur. Auch die Saxofone können die Harmoniker sein.

Herr Sauer, wie sehen Sie das Tenorsax-Doppel?

Naja, ich liebe ja das Zusammenspiel mit einem Klavier, das dann die Harmonien legt. Aber so etwas wie jetzt, das ist sehr inspirierend, das hab ich ja auch mit Albert Mangelsdorff gemacht. Posaune und Sax. Der Reiz zweier Saxofone besteht ja auch darin, zwei unterschiedliche Spielkulturen zu erleben. Zwischen Daniel Erdmann und mir gibt es Übereinstimmungen, aber vom Spiel her auch große Differenzen. Das liefert Spannung.

Unlängst sagte ein Kritiker polemisch, es gebe ein Überangebot an Jazzmusikern, ähnlich wie bei Nagelstudios.

Da ist was dran. Was oft fehlt, ist eine Aussage. Jazz ist eine Musik des Protestes, eine Musik der Freiheit. Darin ist sie auch politisch. Die Nazis hassten Jazz. Es geht darum, die Seele rauszuspielen. Das fehlt im Kommerz der Gegenwart zu oft.

Herr Erdmann, viele junge Jazzmusiker verlassen die Hochschulen. Zu viele?

Na ja. Das Problem ist: sie spielen richtig. Mehr aber auch nicht. Ein Instrument lernen, ist ja nichts Außergewöhnliches. Es muss dann aber etwas hinzukommen. Eine außergewöhnliche Kreativität; die Fähigkeit, magische Momente im Spielen zu evozieren. Technik allein ist steril.

Was wünschen sie beide sich für das Konzert am Freitagabend?

Dass es viele dieser tollen Momente gibt im Zusammenspiel zwischen uns Musikern und dem Empfinden des Publikums. Einen gelungenen Austausch ohne Worte.

BZ-Text vom 16.5.2015

Hendrika Entzian Quartett feat. Sandra Hempel

Lindenhof, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Maxi Jagow – Saxofon
Simon Seidl – Piano
Hendrika Entzian – Bass
Fabian Arends – Schlagzeug
Sandra Hempel – Gitarre

Die Musik des Kölner Quartetts um die Kontrabassistin Hendrika Entzian lockt mit akustischen Klängen, songartigen Strukturen und melodischen Bögen. Detailscharf und geschmackssicher changiert die Band zwischen lyrischen Momenten und kräftigen Improvisationen. Im April erscheint „Turnus“, das neue Album des 2012 gegründeten Quartetts. Im Repertoire finden sich einige wenige Standards, hauptsächlich aber Kompositionen von Hendrika Entzian und dem Tenoristen Maxi Jagow.

Sandra Hempel kennen wir bereits von einigen früheren Auftritten. Sie spielt eine halbakustische E-Gitarre und bedient sich elektrischer oder elektronischer Effektgeräte nur sparsam. Wie bei allen guten Gitarristen fällt auf, dass die Musik „zunächst aus den Fingern kommt“, wie ein Kritiker anmerkte. Sie spielt ein bisschen mit dem Volumen, verändert ein bisschen den Hall – das genügt ihr. Ihre Gitarre ist für sie gleichzeitig Harmonie- und Melodieinstrument.

„Seit Jahren zählt die Gitarristin Sandra Hempel zu den vielseitig geschliffenen Juwelen der Hamburger Jazzszene. So kennt man sie, …, sicher und prägnant den großen Klangkorpus der NDR-Bigband belebend, groovy die Flamme unter den Rhythmus von diversen Latin- und Funkbands haltend oder konzentriert die Tiefen der harmonischen Möglichkeiten auslotend, …“
(Die Welt, 04.10.2012)

Inzwischen ist Sandra Hempel mit einer eigenen Band aus der zweiten Reihe hervorgetreten und hat auch gerade mit ihren eigenen Kompositionen ein weites Terrain abgesteckt, in dem Interaktion und Wechselrede die wichtigsten Triebkräfte sind.

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
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Eintritt: Abendkasse 19 € / 17 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

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Kritik zu „SOUL JAZZ FACTOR“

Fetz-Jazz
„Soul Jazz Factor“ spielt im Braunschweiger LOT-Theater zeitlosen Hard Bop

Gemütlicher Seelen-Jazz schien nicht angesagt. Die Musik der fünf Jazzer – drei US-Amerikaner, ein Österreicher, ein Schweizer – sprang einen förmlich an. Satte rhythmische Grundierung durch Joris Dudli am Schlagzeug, Jared Gold am „Hammond-B3“-Keyboard und John Arman an der E-Gitarre. Im Zentrum aber die beiden Bläser Jeremy Pelt (Trompete) und Vincent Herring (Alt-Sax). Ihre spitzigen, rasanten und absolut präzisen Unisono-Riffs, stellten das Thema vor und dann ging es ab in die Improvisation. Dieser Konzertbeginn war gewissermaßen programmatisch, ein wenig durchbrochen durch zwei Balladen und einen Gospelrückgriff.

Eigentlich war es eine Jazz-Zeitreise. Nicht irrsinnig lang zurück, nur fünfzig Jahre, in die Zeit des Hard-Bop. Zum Jazz, der nicht länger abgehoben harmonisch herumfrickeln oder obercool sein wollte, stattdessen einen reflektierten Blick auf die schwarzen musikalischen Traditionen und eine Versöhnung von Kopf und Seele anstrebte.
„Soul Jazz Factor“ machte aber nicht einen auf Retro oder Nostalgie. Etwas überraschend Zeitloses wurde stattdessen am Sonntagabend im sehr gut besetzten LOT-Theater hörbar. Das lag zum einen sicherlich daran, dass man die Hits jener Jahre ignorierte und stattdessen Eigenkompositionen spielte.
Vor allem aber bestachen das Können und die Präsenz der Musiker. Allen voran Vincent Herring, dicht gefolgt von Jeremy Pelt. Meisterhaft der Umgang mit Spannungsauf- und -abbau, mit Veränderungen der Tempogestaltung, der Akzentuierungen innerhalb der Soloparts. Souverän verfügten sie über die Stilmittel unterschiedlicher Jazzgenres. Mit ihnen präsentierten sich zwei sehr angenehm selbstbewusste Musiker. Freilich hätte Herring statt doch sehr weitschweifiger Erläuterungen zu Songtiteln lieber ein Stück mehr spielen können.
Daneben wirkte John Arman fast ein wenig verschüchtert mit seinen tadellosen Akkord- und Einzelsaiten-Soli auf der clean gespielten Jazzgitarre. Jared Gold agierte sowohl hintergründig melodisch, als auch solitisch. Sein Gospel-Intro in „You got soul“ schuf wunderbar die Atmosphäre dieses Hammond-Orgel-Sounds einer amerikanischen Baptistenkirche, um es dann mit wenigen Akkordauflösungen ironisch zu unterlaufen. Ein Meister seines Fachs. Für das alles lieferte Joris Dudli uneigennützig und absolut funktional die Beats. Insgesamt ein tolles Zusammenwirken der Band, was der Publikum hoch erfreute.

Klaus Gohlke

Interview mit Joris Dudli (Soul Jazz Factor)

Musik für Bauch und Seele
„Soul Jazz Factor“ spielt am kommenden Sonntag modernen Jazz im Braunschweiger LOT-Theater

Mit der Gruppe „Soul Jazz Factor“ kommt wieder einmal eine hochkarätige internationale Jazzformation nach Braunschweig. Sie tritt am Sonntag, dem 22.März um 20 Uhr im LOT-Theater auf. Unser Mitarbeiter Klaus Gohlke telefonierte vorab mit ihrem Chef-Komponisten, dem schweizerisch-österreichischen Schlagzeuger Joris Dudli, in seinem Wohnort Wien.

Herr Dudli, was haben wir zu erwarten? Soul oder Jazz oder ein undurchsichtiges Gebräu?

Um das gleich klar zu machen: Wir sind allesamt Jazzer. Unser gemeinsamer Hintergrund ist der Hard-Bop. Wir kopieren doch nicht Wilson Pickett oder James Brown. Soul Jazz meint: die Musik soll Bauch und Seele ansprechen, keine Hirnakrobatik. Alles eigene Kompositionen und ein interessanter Sound schon von der Instrumentierung her: Hammond-B3-Orgel, Sax, Trompete, Gitarre, Schlagzeug. Das gibt Klangfarben, Groove und Flow.

Drei Bandmitglieder kommen aus den USA, einer aus Österreich, Sie sind schweizerischer Österreicher. Eine seltsame Melange, oder?

Ich hab lange in New York gelebt und mit den Amerikanern in verschiedenen Formationen, auch mit vielen internationalen Stars gespielt. Wir kennen uns hervorragend. Neu ist John Arman aus Wien, ein fantastischer junger Gitarrist.

Man sucht „Soul Jazz Factor“ vergeblich in den sozialen Netzen. Nur ein kurzer Mitschnitt aus dem Londener „Ronnie Scotts“ von 1:01 min. Dauer auf YouTube. Ist das nicht riskant heutzutage?

Wissen Sie, der Job als Musiker ist beinhart. Wir müssen alle in verschiedenen Gruppen spielen. Eine feste Band geht aus Kostengründen nicht. Da bleibt keine Zeit mehr für Social Media und Homepage. Aber ein Info-Problem besteht da schon.

Ihr Tourplan ist ja grausam: z.B. Thalwil( Schweiz), Braunschweig, Saarbrücken, Monza (Italien) Jeden Tag woanders. Wie hält man das durch?

Tja, den Plan machen wir nicht. Man muss sehen, wann wo die Clubs bespielbar sind. Das ist schon anstrengend, man wird ja auch nicht jünger. Das geht nur, weil wir uns so gut kennen. Stress ist weg, wenn man spielt und merkt, dass das Publikum anbeißt. Und von Braunschweig wissen wir, dass es ein gutes Publikum hat. Wir freuen uns schon auf das Konzert im LOT-Theater.

SOUL JAZZ FACTOR

LOT-Theater, Kaffeetwete 4a, 38100 Braunschweig

Jeremy Pelt – Trompete
Vincent Herring – Altsaxofon
John Arman – Gitarre
Jared Gold – Hammondorgel
Joris Dudli – Schlagzeug

Die jahrelange Zusammenarbeit von Vincent Herring und Joris Dudli hat mit diesem Quintett einen neuerlichen Höhepunkt erreicht. Dass ihre jüngste CD „True Paradise“ für den Preis der Deutschen Schallplattenkritik 2014 nominiert wurde, dürfte an der Kombination eines extrem virtuosen Hammond B 3-Trios mit dem perfekt eingespielten Bläserteam Herring/ Pelt liegen, das die teils funkigen, teils ohrwurmartigen Arrangements höchst soulig interpretiert.

Jeremy Pelt – tp
Jeremy Pelt hatte schon im Grundschulalter klassischen Trompeten-Unterricht, konzentrierte sich aber später auf den Jazz. Er studierte Jazzimprovisation und Filmmusik an der Berklee School of Music in Boston, wo er den Bachelor of Arts erwarb. Seit seiner Ankunft in New York spielte er mit vielen großen Persönlichkeiten des Jazz: Jimmy Heath, Frank Wess, Charli Persip, Frank Foster, Ravi Coltrane, Ralph Peterson, Nancy Wilson und vielen anderen. Er arbeitete mit namhaften Bands wie dem Village Vanguard Orchestra, der Roy Hargrove und der Duke Ellington Big Band. Zur Zeit ist er Mitglied des Lewis Nash Septetts, der Mingus Big Band und der Cannonball Adderley Legacy Band. Von dem weltbekannten Magazin Downbeat wurde Pelt zwei Jahre nacheinander zum Rising Star auf der Trompete gewählt.

Vincent Herring – as
Herring wuchs in Vallejo in Kalifornien auf, wo er ab 1980 an der California State University studierte, bevor er 1983 nach New York zog. Dort studierte er an der Long Island University und wurde außerdem privat von Phil Woods unterrichtet. Seinen Lebensunterhalt verdiente er sich nebenbei als Straßenmusiker. 1985 bis 1988 war er in der Band von Lionel Hampton, 1987 im Quintett von Horace Silver und 1989 bei Art Blakeys Jazz Messengers. Bekannt wurde er als Mitglied der Nat Adderley-Band, der er von 1987 bis 1993 angehörte. Von dessen Bruder Cannonball wurde er musikalisch wesentlich beeinflusst. Mit 14 Alben als Leader und weit über 100 als Sideman schreibt Vincent Herring schon lange Jazzgeschichte. Bis heute ist er im Louis Hayes und im Kenny Barron Quintett zu hören und spielt auf internationalen Festivals immer wieder in verschiedenen All Star-Formationen wie z. B. „Kind Of Blue“.

John Arman – g
John Howard Arman wurde 1986 in Innsbruck geboren. Dank seiner Eltern kam er früh mit Musik in Berührung und machte seine ersten Bühnenerfahrungen als Sängerknabe im zarten Alter von 4 Jahren. Mit 8 bekam er den ersten Gitarrenunterricht und mit 14 Unterricht am Konservatorium Innsbruck. Nach einigen Jahren im Klassischem Konzertfach wechselte er zum Jazz-Studium, zunächst in Innsbruck und später in Linz in der Gitarren-Klasse von Peter O’Mara.
Es folgten erste Radio- und Fernsehauftritte sowie einige internationale Preise, Engagements u.a. bei Charlie Haynes und Richie Beirach sowie als Vorgruppe von Jim Hall. 2011 beendet er sein Studium mit Auszeichnung und siedelte nach London zum Masterstudium an der renommierten Royal Academy Of Music über, wo er Unterricht bei Phil Robson, John Paricelli, Mike Walker und Pat Martino hatte. Heute hat John Arman seinen Lebensmittelpunkt in Wien.

Jared Gold – org
Seinen Aufstieg zu einem der gefragtesten neuen Organisten in der New Yorker Szene verdankt Gold seiner jahrelangen Hingabe an die Hammond B-3 und deren Ikonen wie Larry Young, Jack McDuff und Don Patterson. Seiner Vielseitigkeit verdankt er die Zusammenarbeit mit vielen etablierten Jazzgrößen wie u. a. Dave Stryker, John Abercrombie, Ed Cherry, Jon Gordon, Oliver Lake, Bill Goodwin, Adam Nussbaum, Jimmy Ponder, Ralph Bowen, Bruce Williams, Cecil Brooks III, Don Braden, Ralph Peterson, William Ash, John Swana, and Tony Reedus. Außerdem hat ihm die langjährige Zusammenarbeit mit dem Posi-Tone-Label schon fünf Alben als Leader beschert.

Joris Dudli – dm
Joris Dudli konnte sich besonders während seines fast zehnjährigen Aufenthalts in
New York vielschichtig musikalisch profilieren. In dieser Zeit legte er auch den Grundstein für seine langjährige Zusammenarbeit mit Vincent Herring. In Österreich hatte er sich schon lange zuvor zunächst im Austropop und später mit dem Vienna Art Orchestra und dem Art Farmer Quintet etabliert. Es folgten unzählige Konzerte mit internationalen Musikern wie Benny Golson, Chico Freeman, Johnny Griffin, Joe Henderson u.v.a. und 2002 auch mit dem Joe Zawinul Syndicate. Über die Jahre hat sich Dudli auch als Komponist einen Namen gemacht. Viele seiner Stücke wurden insbesondere durch die Formation „Earth Jazz“ bekannt.

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
Konzertkasse Braunschweig, Schloss-Arkaden & Schild 1a, Tel.: 0531 / 16606
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

Eintritt: Abendkasse 25 € / 22 € (ermäßigt) / 10 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Stiftung Braunschweigischer Kulturbesitz
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Kritik zu „Otto Wolters Quartett“

Ein Blick in Ottos Jazzwerkstatt
Der Theatersaal des Braunschweiger Lindenhofes wird mit dem Otto-Wolters-Quartett erfolgreich wieder eröffnet

Paolo weg, der Lindenhof geschlossen – für die Freunde der italienischen Küche und des stilvoll eingerichteten Gastraumes ein schwerer Schlag. Genauso wie für die hiesigen Jazzfreunde, war der angeschlossene Theatersaal doch fester Spielort geworden für die Veranstaltungen der Initiative Jazz-BS. Wo einen Ort finden für gut 150 ZuhörerInnen, der auch über Räume für die Musiker verfügt und über belastbare gastronomische „Unterfütterung“? Dunkle Zeiten zeichneten sich ab, zumindest ein Wanderleben, das für das zarte Pflänzchen „Aufführungskultur“ nicht gerade förderlich ist.
Doch siehe! Ein neuer Eigner und ein neuer Bewirtschafter trauten sich sowohl eine Restaurant-Neueröffnung und dann auch den Erhalt des Saales und seine Nutzung z.B. für Jazzkonzerte zu. Der Raum wurde behutsam renoviert und erstrahlt in zurückhaltendem Glanz. Freilich ist noch Etliches zu tun! Weil z.B. ZuhörerInnen und Band auf einer Ebene sitzen, ist es schwer die Musiker zu sehen, was ja zu einem Live-Konzert dazu gehört. Die Bühne selbst ist für eine Band wohl zu klein, wenn ein Flügel gebraucht wird. Gute Ideen sind also noch erforderlich.
Eine gebührende Neueröffnung sollte es nun am letzten Samstag geben, und – da kann man dem Jazz-BS-Chef Rainer Müller in seiner Anmoderation nur zustimmen – für Braunschweig und diesen Spielort „gebührend“ konnte nur heißen, mit der Jazz-Piano-Institution Otto Wolters und seinem Quartett zu starten. Schon Wochen vorher war das Konzert ausverkauft. Es wurde ein tiefer Blick in Otto Wolters‘ Jazzwerkstatt.
Dass das nicht ein rührend-wehmütiges Konzert von Jazzveteranen werden sollte, wurde von Beginn an deutlich. Wer mit Wayne Shorters „Black Nile“ startet, signalisiert Anspruch und Risikobereitschaft. Denn das ist keine moderate Einstimmungsnummer. Es geht vom Tempo und der kompositorischen Komplexität her zur Sache. Uli Beckerhof an der Trompete hatte sofort Schwerstarbeit zu leisten, und so routiniert alle vier Musiker auch sind, es knirschte hier und da doch ein Körnchen Sand im musikalischen Getriebe. Freilich, das ist bei einer Band, die sich eher punktuell trifft, nicht anders zu erwarten. Beckerhof nahm es gelassen. „Haben Sie gemerkt? Wir haben geübt!“, sagte er schelmisch-doppeldeutig.
Aber – vielleicht wäre ein Einstieg mit der Eigenkomposition „Dreampipe“ einfacher gewesen. Die balladeske Grundstimmung dieses Stückes mit seinem verhaltenden Tempo erlaubten Wolters schöne improvisatorische Ausflüge mit feinen Tempoveränderungen.
Auch als Trio ohne Trompete wusste man zu überzeugen. Feines Interplay, schöner Rollenwechsel dank des überaus klar konturierten melodiösen Bassspiels von Gunnar Plümer. Wolters ließ ihm und dem Schlagzeuger Michael Küttner viel Raum und Zeit, „ihr Ding zu machen“.
Intim wurde es, als Otto Wolters nach Quartett und Trio dann im Duo zusammen mit dem Sänger Matthias Köninger seiner Neigung nachging, so etwas wie deutsche Gegenstücke zum „Great American Songbook“ zu präsentieren. Alte deutsche Schlager, Filmmusiken der 1930iger bis 1950iger Jahre erhalten dabei ein Jazzgewand und sind dann keine alten Schmonzetten mehr. Theo Mackebens „Bei dir war es immer so schön“ als Bossa präsentiert, und später dann die Heymann-Komposition „Irgendwo auf der Welt gibt es ein kleines bisschen Glück“ – mit feinen Jazzharmonien entsentimentalisiert – zeigten Köninger als Sänger, der nicht nur den Mut aufbringt, sich derart zu exponieren. Vielmehr überzeugte er mit guter Phrasierung und klarer Orientierung im Ablauf der Kompositionen.
Wer die Arrangements vielleicht mitunter zu schematisch im Aufbau empfand (Thema-Solo1-Solo2 usw.- Reprise), manche Ablaufplanung unvollendet oder das Schlagzeugspiel zu Old-School-artig trommellastig empfand, der konnte sich mit der Interpretation von Herbie Hancocks „Cantaloupe Island“ getröstet sehen. Wunderbar groovend mit mutiger Scateinlage und einem großartig Tongebirge auftürmenden Uli Beckerhof ließen keinen Wunsch offen. In der Tat ein einnehmender Neustart der Lindenhof-Jazzkonzert-Serie.

Klaus Gohlke

Otto Wolters Quartett

Lindenhof, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Otto Wolters – Piano
Ulli Beckerhoff – Trompete
Gunnar Plümer – Bass
Michael Küttner – Schlagzeug

Für die Initiative Jazz Braunschweig ist es eine große Freude, dass wir wieder an einen für unser Publikum gewohnten Spielort – den Lindenhof – zurückkehren können. Der Lindenhof präsentiert sich in neuem Gewand – dazu möchten wir mit einem Konzert unseres Gründungsmitglieds und guten Freundes Otto Wolters einen Kontrapunkt setzen.

Das Otto Wolters Quartett, das wir begrüßen, ist eine Erweiterung seines Trios, das er in den 1960er Jahren mit Gunnar Plümer und Michael Küttner gründete und mit dem er zunächst für das Goethe-Institut auf Tournee ging. Es folgten viele anderweitige Engagements. Das Otto Wolters Trio knüpfte bewusst an Konzepte berühmter Trios wie die von Bill Evans and Keith Jarrett an und brachte es zu internationaler Bekanntheit. Wolters hat mit vielen bedeutenden deutschen Künstlern gespielt, darunter Gunter Hampel, Carmel Jones, Attila Zoller, Toto Blanke, Leszek Zadlo, Michael Küttner und Albert Mangelsdorff. 1980 war er zusammen mit dem amerikanischen Tenorsaxofonisten Sonny Stitt auf Tournee, 1985 mit dem Pianisten Hans Christian Wille.

Otto Wolters  kam nach zehn Jahren Ausbildung in klassischer Musik zum Jazz: beim Hören einer Platte von Erroll Garner erwischte ihn der coup de foudre. Und diese Leidenschaft hat ihn nicht wieder losgelassen. Ausbildungen in Jazzpiano gab es damals noch nicht, also brachte er es sich selbst bei. Ab 1974 füllte er diese Lücke dann und wurde Dozent für Jazzpiano an der Musikhochschule Hannover und in Braunschweig. Unterricht hat er außerdem an Jazz Clinics und Jazzseminaren in Burghausen, Osnabrück und Weikersheim gegeben, und auch die Nachwuchsförderung liegt ihm damals wie heute am Herzen.

Neben seiner engagierten beruflichen Arbeit ist er seinem alten Trio immer treu geblieben, und auch noch heute treten sie gemeinsam auf, sobald ihre eigenen Projekte ihnen dazu Zeit lassen.

Karten:
Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage 1, Tel.: 0531 / 125712
Touristinfo Braunschweig, Kleine Burg 14, Tel.: 0531 / 470-2040
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Mit freundlicher Unterstützung:
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig

Jazz und Film in der Reihe „Sound on Screen“

Universum Filmtheater, Neue Straße 8, Braunschweig

WHIPLASH
Regie: Damian Chazelle, USA 2014, 106 Min, OmU

Der 19jährige Andrew hat ein ehrgeiziges Ziel und möchte Jazz Drummer der Spitzenklasse werden. Dabei wird ihm von seinem gnadenlosen Lehrer buchstäblich alles abverlangt… Der gefeierte Gewinner beim Sundance Festival 2014 begeistert durch explosive Performances voller roher Energie und ansteckenden Bebop-Swing nicht nur Jazzfans. “Ein elektrisierendes Erlebnis” Rolling Stone. “Whiplash ist der Film des Jahres” Entertainment Weekly
Deutsche Vorpremiere!

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