Kritik zu „Ramón Valle Trio“

Karibischer Sonnenaufgang im Lindenhof

Das Ramón Valle – Trio spielt inspirierenden Hybrid-Jazz

Das freut doch des Menschen Herz, wenn das, was drauf steht, auch wirklich drin ist. Gleich, ob nun bei Kochschinken, Pizzakäse oder, nun ja, auch Jazzmusik. Ramón Valle ist ein kubanischer Jazzpianist, also war kubanische Jazzmusik zu erwarten im sehr gut besuchten braunschweigischen Lindenhof am spätherbstlichen Freitagabend.

Das Konzert beginnt mit dem Klavier-Intro, allerdings eher klassisch impressionistisch, teils auch romantisierend. Exzellenter Anschlag, schöne Akkordverbindungen. Nur kubanisch? Fehlanzeige. Der Bassist, Omar Rodriguez Calvo (Kubaner), beginnt eine mörderische ostinate Figur, ein echter Vamp. Über zehn Minuten saugt er einen förmlich in den Song. Der Schlagzeuger, Owen Hart jr. (Amerikaner), legt ein Snare -Dauergeprassel darunter. Man fühlt sich an den Bolero erinnert, den berühmten. Bolero? Aha, eventuell kubanisch. Nur, leider ein 5/4 – Takt. Also kein Bolero? Aber der Akzent liegt eindeutig auf der 1, ein Downbeat also. Der Bass immer kurz davor, tonal tief unten, dann sich nach oben schraubend, um wieder schwer von vorn zu beginnen. Ah ja, doch kubanisch? Eine Son-Anspielung vielleicht? Nur, das Piano hat doch damit nun gar nichts zu tun. Das erinnert ja eher an Keith Jarrett –Improvisationen mit vielen blauen Noten und Arabesken in den höheren Lagen, abgelöst von sparsamen Akkordtupfern. Dann beginnt der Schlagzeuger eine Ruhephase zu nutzen, um gegen die vielen Klaviertöne mit noch mehr Schlagzeugnoten zu Felde zu ziehen. In der Mitte zwischen den Antagonisten stoisch Calvo, der Bassmann.

Wie ist das nun mit drauf und drin? Ein erneuter Blick auf einen erweiterten musikalischen Beipackzettel der Initiative Jazz-Braunschweig. Valle habe, so heißt es da sinngemäß, kubanische Wurzeln, aber diese seien nicht Basis seiner Kompositionen. Aha, also ein Hybrid, modern gesprochen. Der Titel der Komposition ist: „Dilsberg morning light“. Eine musikalische Verarbeitung eines Sonnenaufganges. Dilsberg liegt übrigens in der Nähe von Heidelberg, nicht auf Kuba.

Damit ist Valles Arbeitsprinzip umrissen. Ob innerhalb eines Stückes oder im Gesamtablauf des Konzertes: man ist einem permanenten Wechselbad ausgesetzt. Wunderbare Melodien entstehen, die anschließend wieder zerlegt werden („Fabio“). Romantische Themen stellt das Trio nahezu liebevoll vor, um sie wenig später mit der gleichen Sorgfalt abzuwürgen („Free at last“). Oder umgekehrt: Sehr abstrakt beginnend, nahezu freejazzig, dann die Versöhnung („Levitando“). Das aber ist nichts, was kalte Hirnlastigkeit ausstrahlt. Nein, am Ende des ersten Sets verführt Valle das Publikum dazu, gefühlig zum Song „Cinco hermanas“, die „Fünf Schwestern“, refrainartig mitzusingen. Das muss man sich mal vorstellen! Der Saal singt! Beim Jazzkonzert!

Eine gute Grundlage für das zweite Set, das nun wirklich unüberhörbar kubanisch inspiriert mit der fulminaten Zugabe „Baila Harold, baila“ endet.. Obwohl nur ein Trio: hier wird Musik gekocht, eine Art Guajira-Son, und für Minuten verwandelt sich der Saal in eine Dancehall der Zuckerinsel. Drauf und drin? Egal, weil wunderbar unkubanisch-kubanische Jazzmusik.

Klaus Gohlke

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Ramón Valle Trio

Lindenhof „DaPaolo“, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Ramón Valle: piano
Omar Rodriguez Calvo: bass
Owen Hart jr.: drums

Ramón Valle ist mit Sicherheit einer der interessantesten Pianisten, die derzeit im Bereich Modern Jazz zu finden sind.

Was so manchen überrascht, ist, dass in Valles Spiel und in seinen Eigenkompositionen nur selten seine kubanische Wurzeln hervorblitzen.

Er selbst beschreibt seinen Ansatz als „nicht 100% kubanisch, sondern als 100% Ramón Valle“ – und das bedeutet: mal temperamentvoller Wirbelwind, mal verspielt-melancholische Einlagen, dann wieder wunderschöne, mitreißende Melodien und eine unglaubliche Ausstrahlung, mit der er jedes Publikum im Sturm erobert.

Bereits mit sieben Jahren begann Ramón Valle Klavier zu spielen und machte sich mit Anfang 20 u. a. durch Festivalauftritte in der kubanischen und lateinamerikanischen Jazzszene schnell einen Namen.

Solopfade beschritt er schließlich 1993 mit seinem Debütalbum „Levitando“. Chucho Valdés, eine Ikone des modernen Jazz Cubano und Gründer von Irakere, pries Valle daraufhin als „das größte Talent unter unseren jungen Pianisten“.

Seit 1998 lebt Ramón Valle in Europa. Sein Auftritt beim North Sea Jazz im Jahr 2000 wurde als die große Entdeckung des Festivals gewertet, sein Spiel und seine Kompositionen überzeugten auf ganzer Linie. In den Jahren darauf folgten weitere Auftritte bei renommierten Festivals wie in Montreux, beim Festival de Jazz Plaza Habana oder in Leverkusen, als Solopianist oder mit Trio- bis Quintettbesetzung – einmal mit dem Trompeter Roy Hargrove als begeistertem Gastmusiker.

2003 erlebte Amsterdam die Uraufführung von Valles Auftragskomposition „Mixed-up Mokum“ im Royal Concertgebouw – einem Stück für zehnköpfiges Ensemble (unter Leitung von Ramón Valle selbst), das stilistisch zwischen Jazz, improvisierter und klassischer Musik angesiedelt ist.

Auch weitere CDs hat der Pianist inzwischen in unterschiedlichen Besetzungen aufgenommen – sechs an der Zahl. „Playground“ heißt sein neustes Werk, eingespielt in dem von ihm bevorzugten Trioformat mit Omar Rodriguez Calvo am Bass und Schlagzeuger Owen Hart jr.

Mit „Playground“ verarbeitet der Musiker und frischgebackene Vater ganz neue Lebenserfahrungen und -verantwortungen, ebenso wie Rückblicke auf die eigene Kindheit und andere Erinnerungen. Mit nimmermüder Spielfreude erzählt er mit seinem Trio musikalische Geschichten ohne Worte. Jedes Stück, jede Geschichte entwickelt dabei eine ganz eigene Atmosphäre; lebendig, facettenreich und intensiv präsentiert sich dem Zuhörer auf „Playground“ ein Klaviertrio der Extraklasse.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
– Konzertkasse, Braunschweig, Schild 1a, Tel.: 01805 / 331111
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Kritik zu „Monty Alexander“

Ein gemeiner Pianist? Unveröffentlicht

Monty Alexander brennt ein musikalisches Feuerwerk ab

Da sitzt er, Monty Alexander, der große, kleine, nunmehr 67jährige amerikanische Pianist aus Jamaica. Am Freitagabend in der im Umbau befindlichen Halle der Landesparkasse Braunschweig in der Dankwardstraße. Sitzt an seinem Instrument, schlägt mit der Hand Zwischentakte in die Luft, rückt auf seinem Klavierschemel näher an die rechte Seite des Flügels. Als suchte er hier noch Näheres zu entdecken, als müsste er sich auch rein räumlich näher orientieren. Spitzt, man müsste sagen: pizzicatoartig, nur eben nicht gezupft, sondern gestochen, höchste Einzeltöne heraus, um dann wiederum in gehämmerte flächige Akkordblöcke und schließlich einem Tremolo in den untersten Tonlagen des Instruments sich auszubreiten, so alle Klangmöglichkeiten, alle dynamischen Abstufungen eines Songs heraus lockend. Grummelt das Piano oder das Schlagzeug oder der Bass?
Er dirigiert seine Mitspieler, den niederländischen Schlagzeuger Frits Landesbergen und Lorin Cohen, Akustik-Bassist aus den USA. . Und hindurch geht es durch alle möglichen Jazz-Stilarten. Mal Calypso, mal Blues, mal Swing, mal europäische Melodik, dann wiederum Bossanova-, Tangoandeutungen. Ganz gleich, ob Ballade oder Up-Tempo-Nummer; gleich ob Straight-Ahead-Jazz-Standard oder Eigenkompositionen. Ob Nahezu-Gassenhauer, wie „Day-O; Banana Boat Song“ (schön gesungen auch) oder Bob Marleys „No Woman No Cry“- Alexander ließ keinen Bruch entstehen zwischen Jazztraditionen und der Musik seiner Heimat, die diesmal etwas weniger direkt zum Zuge kam. Welch unglaubliche Modulationen, kann man Akkordübergänge noch trickreicher gestalten? In der Tat: Oscar Peterson hätte seine Freude gehabt, auch an den fast theatralisch anmutenden Abschlüssen der Stücke: Gospelhaftes, immer wieder hinausgezögertes Crescendo.
Das zündete schon zu Beginn des ersten Sets. Aber, das sei nicht nur so daher gesagt, es zündete, weil das Trio so wunderbar zusammenwirkte. Landesbergen zeigte am Schlagzeug nicht nur bei der Verwendung der Beckensounds, was ein Meister am Schlagwerk ist. Lorin Cohen wusste sich gegen das pianistische Feuerwerk nachhaltig durchzusetzen, indem er das Tempo reduzierte, die Klavierläufe konterkarierte. Nur hätte sein Bass gerade in den schnellen Passagen wie „Sweet Georgia Brown“ etwas fetter rüberkommen sollen. Aber – war es nicht fast ein wenig gemein, dieses Stück in einem derartigen Höllentempo anzugehen? Wollte Monty Alexander den Mitspielern zeigen, was eine Harke ist?

Er forderte die Zuhörer auf, mitzuklatschen, mitzusingen. Es hätte nicht viel gefehlt und man hätte hier, wie schon anderswo bei seinen Konzerten, getanzt, wären da nicht die geordneten Stuhlreihen gewesen.
Man redet oft von „Standing Ovations“. Am Freitagabend standen die Besucher wirklich und erwiesen den Musikern Respekt und Begeisterung.

Wermutstropfen: Warum geht der Veranstalter, die Initiative Jazz Braunschweig so lieblos mit der eigenen Veranstaltung um? Ein graphisch banales Plakat, was die Farbgestaltung, die Raumaufteilung für Textteile und die Typographie betrifft! Ein Homepage-Text , der etwas von einem „gemütlich durch die Jazzlande schnaufenden ‚Harlem-Kingston-Express’“ schwadroniert. Von „Jazztrio-Häppchen“, ein bisschen Cannabis-Geruch (Herr Gott, was soll das denn?), einem „Koch im rostigen Speisewagen, der Reggae-Musik“ erklingen lässt! Gibt es denn keine Peinlichkeitsgrenzen mehr bei den Verantwortlichen? Und dann eine kurzfristige Änderung der Bass- und Schlagzeugbesetzung, die dem Publikum nicht vorab mitgeteilt wird? Keinerlei Respekt vor den Musikern und dem Publikum? Fragen, die eine Antwort verdienten.

Klaus Gohlke

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Monty Alexander

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße 1, Braunschweig

Monty Alexander: piano, vocals
Hassan Shakur: bass
George Fludas: drums

Der Pianist Monty Alexander hat sich große Verdienste erworben als unermüdlicher Brückenbauer zwischen swingendem Jazz und der Musik seiner Heimat Jamaika. Zum einen ist ihm mit “New Calypso Bebop” die Kreation eines neuen, überaus attraktiven und mitreißenden Genres gelungen, zum anderen hat er sich intensiv mit den Reggae-Songs seines Landsmanns Bob Marley auseinandergesetzt. Kommt hinzu, dass der melodieverliebte Tastendribbler bei seinen Auftritten einen optimistischen Überschwang versprüht, der einen unweigerlich an Oscar Peterson denken last.

Doch noch ein bisschen Sommer! An seinen gemütlich durch die Jazzlande schnaufenden „Harlem-Kingston Express“ (so der Titel seiner neuen CD) hat der Pianist und Melodica-Spieler Monty Alexander verschiedene Wagen angekoppelt: Im Salon mit den Ledersesseln servieren die Musiker köstliche Jazztrio-Häppchen („Sweet Georgia Brown“). Ab und zu weht ein bisschen Cannabisgeruch zum Fenster herein: Weiter vorn fährt ein rostig klappernder Speisewagen, dessen Koch das Kofferradio offenkundig auf eine lokale Reggae-Station eingestellt hat. Wer sich „No Woman No Cry“ in einer vorwärtsdrängenden Jazzfassung für Klavier, Bass und Schlagzeug nicht oder nur schwer vorstellen kann – letzter Wagen, bitte. So zuckelte Monty Alexander lächelnd durch den verregneten Sommer und ist jetzt in Braunschweig angekommen.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
– Konzertkasse, Braunschweig, Schild 1a, Tel.: 01805 / 331111
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BLUE NOTE: A STORY OF MODERN JAZZ , ein Dokumentarfilm von Julian Benedikt

Universum Filmtheater Braunschweig, Neue Straße 8, Braunschweig

Die Initiative Jazz Braunschweig und das Universum-Filmtheater präsentieren:

BLUE NOTE: A STORY OF MODERN JAZZ , ein Dokumentarfilm von Julian Benedikt

Donnerstag, 13. Oktober 2011, 19 Uhr im Universum-Filmtheater mit anschließendem Livekonzert.

Es gibt viele Berührungspunkte zwischen Jazz und Film: Jazz als Filmmusik oder Dokumentarfilme, die sich dem Jazz widmen.
Nachdem das Universum-Filmtheater wieder eröffnete und dort die monatliche Musik- und Film-Reihe „Sound on Screen“ gestartet wurde, soll es dort jährlich eine oder zwei Gemeinschaftsveranstaltungen des Universums und der Initiative Jazz Braunschweig geben, die sich Jazz und Film widmen. Einen weiteren Höhepunkt bietet dabei eine Anschlussveranstaltung im Szenecafé Riptide, Handelsweg, mit Livemusik.

Das erste Kooperationsprojekt dreht sich um den Dokumentarfilm „Blue Note: A Story of Modern Jazz“. Der Film wird am 13.10. ab 19 Uhr im Universum gezeigt. Er handelt von der Geschichte des bekannten Jazz-Lables „Blue Note Records“ und beinhaltet neben vielen Originalausschnitten auch Interviews mit berühmten Musikern.
Nach der Filmvorführung geht es weiter im Café Riptide, Handelsweg: Eine Ausstellung mit Original-BlueNote-Plattencovern aus der Sammlung von Thomas Geese wird mit Livejazz des Duos Krome (sax) und Rumpel (dr) eröffnet. Die beiden Musiker stammen aus dem Rhein-Main-Gebiet und improvisieren zu Original-Stücken des Lables.

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Christof Lauer Trio

Lindenhof „DaPaolo“, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Christof Lauer: saxes
Michel Godard: tuba
Patrice Héral: drums

„Ich halte Christof inzwischen ganz unumwunden, ohne pathetisch zu sein, für den besten Saxophonisten, den wir in Europa haben. Ich bin jedes Mal total fasziniert, wenn ich ihm zuhöre. Er hat inzwischen eine Meisterschaft erreicht, die schon gespenstisch ist.“
(Volker Kriegel)

Nachdem Christof Lauer schon mehrfach in Formationen wie dem Albert Mangelsdorff / Wolfgang Dauner Quartett (1999) und Michel Godard & les Cousins Germains sowie mit der NDR Bigband in Braunschweig zu hören war, kommt das Aushängeschild des deutschen Jazz auf Einladung der Initiative Jazz Braunschweig dieses Mal mit einem Trio, zu dem neben Michel Godard auch Patrice Héral gehört, den wir letztes Jahr mit Dieter Ilg erlebt haben.
Christof Lauer ist in den letzten 30 Jahren mit großer Kontinuität auf allen Kontinenten der Erde und bei allen europäischen und internationalen Festivals von Montreux bis Istanbul und von Havanna bis Peking aufgetreten – sowohl mit eigenen Bands als auch als Sideman in den unterschiedlichsten Formationen. Die Vielfalt und kreative Energie von Lauers musikalischen Begegnungen und Projekten spiegelt immer wieder seine tiefste Überzeugung wider: „Jazz ist Kommunikation“.
Michel Godard mit seiner mehrstimmigen Spielweise gilt als einer der profiliertesten europäischen Tubisten. Der Perkussionist Patrice Héral hat zwischen den Pyrenäen und dem Nordkap mit den wichtigsten Protagonisten des zeitgenössischen Jazz gespielt und ist seit 2005 Mitglied des Orchestre National de Jazz.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
– Konzertkasse, Braunschweig, Schild 1a, Tel.: 01805 / 331111
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Kritik zu „Jean-Christophe Cholet – TIMES Creation 2010“

Einfach umwerfend

Vier Musiker aus Paris zeigen, wo die Harke liegt.

Zu Beginn sah das ja alles recht gemütlich aus. Die Band TIMES Creation 2010 betritt die Bühne, der „Chef“, Pianist Jean-Christophe Cholet, legt seine Unterarme auf dem Flügelrand ab, blickt interessiert, leicht amüsiert seine Mitspieler an. Der Posaunist, Geoffroy De Masure, greift zum Instrument und lässt eher suchend einige Töne erklingen. „Aha“, denkt man. „Erstes Stück, Aufwärmphase!“
Das war kaum zu Ende gedacht, da war es aus mit der Beschaulichkeit. Es brach nahezu los. Des Klaviermenschen Arme waren längst angelegt, der Körper eigenartig seitwärts gedreht. Die Finger berühren die Tasten kurz und heftig, als stünden sie unter Strom. Der Bassist, Linley Marthe, lässt ohne Ende Töne brodeln. Der Schlagzeuger, Chander Sardjoe, setzt harte Akzente, wirbelt urplötzlich über die Felle, um dann die Becken leise zischeln zu lassen. Possible Part Nr. 1 wurde entfaltet. Das Fortissimo stürzt ins Pianissimo und zurück. Aufwärmphase? Mitnichten. Nach 10 Minuten endet das erste Stück. Das Publikum applaudiert nicht nur heftig, nein, lautstarke Bravos schon jetzt. Wann hat man das schon?
Wer nun meinte, dass nach dem Powerstück Besinnlich-Balladeskes folgen sollte, sah sich positiv enttäuscht. Kompositionen und Improvisationen folgten vielmehr anderen Mustern. Innerhalb der Stücke wechselte die Dynamik beständig. Oder aber es lief ab, wie in „Chandarpa“. Man saß gewissermaßen in einer musikalischen Achterbahn. Das Tempo wechselte permanent: Mal rasend, dann sich verzögernd. So auch das Metrum, die Stimmen der Instrumente. Präzise Breaks schufen einen spannungsreichen Rhythmus.
Das erste Set endete mit einer Bearbeitung des Police-Stückes „Message in the bottle“, das nicht nur Witz und Sangeskunst andeutete, sondern zusätzlich eine Art Showdown lieferte: Speed-Bassist gegen Speed-Drummer.
Überhaupt die Soli: Linley Marthe zeigte, warum er zu den weltbesten E-Bassisten gehört. Geschicktes Voicing mit dem Wah- und Oktav-Pedal war noch das Geringste. Vor allem die Anschlagstechnik, der Wechsel vom Einzelsaiten- zum Akkordspiel und die nahezu unbegreifliche Geschwindigkeit des Spiels auf den dicken Saiten machten sprachlos.
Warum der Schlagzeuger eigens die Snaredrum abnehmen ließ wurde schnell klar: Mit ihr setzte er unglaubliche polymetrische Akzente, die permanent den Grundbeat aufbrachen.
Und dann war da noch der Antreiber der Gruppe. Nein, nicht der Leader J.Ch. Cholet, sondern der Posaunist Geoffroy De Masure. Wie schafft man mit diesem Posaunenmundstück so ein Staccato an Tönen? Wie gelingt der Wechsel von Powerplay zum lyrischen Spiel mit dem gestopften Instrument? Wie gelingt die Konzentration auf mikrotonale Feinheiten? Und dann eben noch Cholet, der Chef im Hintergrund: Setzte er sonst rhythmische Akzente, farbige Tontupfer, Zurückhaltung durch und durch, verwandelte er sich in den Solopartien. Kraftvoller Anschlag, rhythmische Differenzierung, eine ungemeine Geschwindigkeit und tonale Kreativität.
Und Witz hatte die Truppe auch noch: Die Bearbeitung des Hancock-Stückes „Actual Proof“ wurde plötzlich in die „Pata Pata“ –Melodie überführt, diese dann wieder zum Michael Jackson – Tune. Freude nicht nur beim Publikum, sondern auch bei den Musikern, denen man den Spaß ansah.
Aber: warum war das Konzert in den Räumen der Braunschweigschen Landessparkasse so relativ schlecht besucht? Weil es nicht die ganz großen Namen des Jazz waren? Name, so weiß man doch, ist oft Schall und Rauch. Gleichviel: Wer nicht dabei war, verpasste das beste Konzert, das die Initiative Jazz-Braunschweig in der Saison 2010-2011 anbot.

Klaus Gohlke

Jean-Christophe Cholet – TIMES Creation 2010

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße 1, Braunschweig

Geoffroy De Masure: trombone, compositions
Jean-Christophe Cholet: Piano, compositions
Linley Marthe: bass
Chander Sardjoe: drums

Der französische Jazzmusiker Jean-Christophe Cholet, der sich als Pianist, Komponist und Arrangeur und nicht zuletzt mit seinem französisch-schweizerischen Trio mit Heiri Känzig und Marcel Papaux einen Namen gemacht hat, kommt mit seinem neuen Projekt „Times“ zu uns.
Dieses Quartett – neben Cholet bestehend aus dem Posaunisten Geoffroy de Masure, dem Bassisten Linley Marthe und dem Schlagzeuger Chander Sardjoe – verbindet in origineller Weise die unterschiedlichen musikalischen Erfahrungen der vier Musiker: de Masure zeichnet sich durch sein warmherziges und komplexes Spiel aus, das auch in raffiniert-kultivierten Kompositionen seinen Ausdruck findet; Linley Marthe, der mauritianische E-Bassist, der von Zawinul als einer der besten Bassisten der Welt geschätzt wurde und Jazz und afrikanische Musik zu einer originellen Einheit führt, steuert seine Stimmhaftigkeit, tiefen Groove und Ungezwungenheit bei; Chander Sardjoe, Schlagzeuger indischer Herkunft, wird wegen seines einmaligen interaktiven und polyrhythmischen Spiels bewundert, und auch für seine intuitive Improvisationkunst, mit der er afroamerikanische und südindische Musiktraditionen zu verbinden sucht.
In diesem komplexen Gewebe spielt Jean-Christophe Cholet die übliche Rolle des Koloristen, der diese verschiedenen musikalischen Temperamente und labyrinthartigen Angebote miteinander vereinbart, indem er durch kontrollierte und originelle Punktuierung die notwendigen Akzente setzt.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
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Kritik zu „Bruno Böhmer Camacho Trio“

Latin oder nicht Latin – das war die Frage!

Kolumbianischer Modern Jazz auf Abwegen

Muss, wo Latin Jazz drauf steht, auch Latin Jazz drin sein? Nein, nicht zwingend, wie man am Freitagabend beim Modern-Jazz-Konzert im Lindenhof zu Braunschweig merken konnte. Angesagt war „Original Latin Jazz aus Deutschland“, so die Ankündigung der Initiative Jazz-BS. Das meinte: Drei U-30er kolumbianischer Herkunft, seit mehr als 10 Jahren in Deutschland lebend, tourerprobt, diverse Awards, der übliche Berkley-Hinweis und die fälligen Reputationslisten. Ein Klaviertrio übrigens.
Heiße Rhythmen in kühler Jahreszeit, Ausblicke auf Sonne, Strand, Tanz auf dem Vulkan? Weit gefehlt. Das Bruno Böhmer Camacho-Trio schien es sich vorgenommen zu haben, alle diese Erwartungen zu zerstören. Zu Gehör gebracht wurde Melancholisch-Verträumtes, etwas Melodramatik, feinsinniges Aufeinandereingehen. Balladenhaftes, auch mit Gesang. Nur – wo war der Latin Jazz? War das nicht, trotz gelegentlicher, den Wohlklang unterbrechender Improvisationsphasen, nicht eher anspruchsvolle Popmusik? Pop-Jazz oder Jazz-Pop?
Das fünfte (!) von sechs Stücken des ersten Sets dann eine Art Programmmusik. „Aschewolke“, geschrieben anlässlich des letztjährigen Vulkanausbruchs auf Island. Deshalb auch plötzlich Explosives vom Schlagzeug, bedrohlich Brodelndes am Bass, grelles Staccato beim Piano. Auf einmal ereignete sich etwas musikalisch. Das Publikum war spürbar erleichtert angesichts der längeren vulkanoösen Chaos-Improvisation. Endlich war er da, der Rhythmus!
Vollends versöhnend dann der Abschluss des ersten Sets, eine Bearbeitung von Stings „Fragile“. Die Melodielinie tauchte immer wieder auf, wurde dann aber nach allen Regeln lateinamerikanischer Rhythmik wundervoll zerhackt und akkordmäßig aufgesplittet. Hier trieb der Pianist und Bandleader Bruno Böhmer Camacho seinen Bassisten Juan Camillo Villa musikalisch vor sich her. Der nahm seinerseits die Vorgaben auf und gemeinsam setzten sie dann den hervorragend aufgelegten Schlagzeuger Rodrigo Villalón unter Druck, der aber nicht nur reagierte, sondern Gegendruck aufbaute. Die Band besaß also Virtuosität, Temperament, kraftvolles Interplay. Begeisterungsausbrüche beim Publikum. Da war er dann doch, Latin-Jazz vom Feinsten.
Nach der Pause dann ein ausbalancierteres Repertoire. Wunderbar leichte Karibik-Sounds in den Erinnerungen an den Großvater, die modernes Jazz-Schlagzeugspiel in Perfektion zeigten. Das Metrum wird als musikalische Richtschnur variabel und damit Teil eines größeren musikalischen Zusammenhangs.
Höhepunkt aber war die Neuinterpretation des Standards „Caravan“, den meisten wohl als Ellington-Nummer bekannt. Immer wieder einmal wurde das Stück in Latin Jazz – Gewänder gehüllt. An diesen Abend wurde es zu einem Stück, das in die Knochen ging, wie man nicht nur am heftigen Schulterreißen des Pianisten zu den Schlagzeug-Synkopen bemerken konnte. Faszinierend wurde die geläufige Melodie rhythmisch und tonal aufgebrochen, mühelos in swingende Passagen ein- und ausgeführt. Dass Böhmer Camacho nebenher auch ein charmant-witziger Erzähler sein kann, zeigten seine Erläuterungen zum Latin-Blues „Hortensia“. Heftiger Beifall.
Es muss nicht immer Latin Jazz drin sein, auch wenn es drauf steht. Wesentlicher ist, dass das Trio sich auf seine Stärken besinnt, und das heißt: Nicht kurzlebig-gefälliger Schmusejazz, sondern das Bohren dicker Jazz-Bretter.

Klaus Gohlke

Bruno Böhmer Camacho Trio

Lindenhof „Da Paolo“, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Bruno Böhmer Camacho: Piano
Juan Camilo Villa: Bass
Rodrigo Villalòn: Schlagzeug

Latin Jazz aus Deutschland – das ist das Schlagwort, das diese drei jungen Jazzmusiker aus der uns durch García Marquez vertraut gewordenen kolumbianischen Stadt Barranquilla wohl am besten kennzeichnet. Mit gerade 17 Jahren kamen sie mit ihrem damaligen Quintett aus Schulzeiten zum Studium nach Deutschland. Inzwischen haben sie viele Konzerte gegeben, mehrere Preise gewonnen und zählen zu den aufstrebenden Talenten der deutschen Jazzszene.

Bruno Böhmer Camacho wurde die Musik in die deutsch-kolumbianische Wiege gelegt: Er ist der Sohn einer bekannten Konzertpianistin und Enkel eines berühmten Komponisten, und so begann er schon im Kindesalter, Musik zu machen, und war erst neun, als er eine eigene Jazzgruppe gründete, die schon bald zu verschiedenen Festivals in Südamerika eingeladen wurde. Die ganze Jazzgruppe kam 2002 mit Bruno Böhmer in die Heimat seines Vaters und gewann bei dem Wettbewerb „Jugend jazzt“ auf Anhieb einen Preis für die beste Jazzgruppe. Viele andere Preise folgten wie z.B. der begehrte Folkwang-Preis (2006).

Mit Juan Camilo Villa, der der Gruppe 2008 einen weiteren Folkwang-Preis bescherte, und Rodrigo Villalón hat er ebenbürtige Partner. Die Musik dieser drei jungen Leute gilt als melodisch, fantasiereich, äußerst feinfühlig, kraftvoll, virtuos und temporeich – eine spannende, ausgeprägt eigenständige Art des modernen Jazz. Man spürt ihre lateinamerikanischen Wurzeln und Böhmers interkontinentales Erbe: Temperament und lateinamerikanische Lebensfreude gepaart mit Rationalität und Ernsthaftigkeit.

Auch hier können wir uns wieder auf einen großartigen Jazzabend freuen.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
– Konzertkasse, Braunschweig, Schild 1a, Tel.: 01805 / 331111
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Mit freundlicher Unterstützung:
ckc group
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
Radio Okerwelle

Anne Hartkamp Quintett

Lindenhof „Da Paolo“, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Anne Hartkamp: Gesang
Frank Delle: Saxophon
Thomas Rückert: Piano
André Nendza: Bass
Oliver Rehmann: Schlagzeug

Anne Hartkamp studierte klassischen Gesang in Wien und Jazzgesang bei u.a. Deborah Brown an der Amsterdamse Hogeschool voor de Kunsten, ist als Sängerin, Texterin und Komponistin viel gefragt und sowohl als Sidewoman wie auch als Bandleaderin aktiv.

Anne Hartkamp, deren Markenzeichen neben intensiven Songinterpretationen vor allem auch der instrumentale und improvisatorische Umgang mit der Stimme ist, kann auf zahlreiche Festivalauftritte, Konzerte, TV-und Rundfunkproduktionen und
Aufnahmen mit Jazzmusikern wie Gunter Hampel, WDR Bigband, Thomas Heberer, Lajos Dudas, Axel Dörner, Michael Wollny, Marion Brown, Nils Wogram, Angelika Niescier, Perry Robinson u.v.a. verweisen.

Zur Zeit konzertiert sie vor allem im Duo „Magnolia & van Endert“ mit dem Gitarristen Philipp van Endert (aktuelle CD: „Humpty’s Amazing Boogie Pencil“) und in ihrem Jazzquintett (mit Frank Delle, Thomas Rückert, André Nendza und Oliver Rehmann), dessen Debut-CD „momentum“ 2010 von der Presse begeistert aufgenommen wurde und das vor allem Kompositionen der Bandleaderin in den Mittelpunkt stellt. Darüberhinaus lehrt sie Jazzgesang an der
Hochschule Osnabrück.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
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Chico Freeman & Fritz Pauer Trio

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße 1, Braunschweig

Chico Freeman: Saxofon
Fritz Pauer: Piano
Johannes Strasser: Bass
Joris Dudli: Schlagzeug

Chico Freeman wurde in Chicago in eine Musikerfamilie hinein geboren; sein Vater war ein Altmeister der Chicagoer Jazzszene. Er begann ein Mathematikstudium, merkte aber schnell, dass sein Herz weniger für die Mathematik als für die Musik und das Saxofon schlug. Er wechselte in der Uni-Band zu den Saxofonisten und gab die Mathematik für das Hauptstudienfach Musik auf, das er dann mit dem Diplom abschloss.

Chico Freeman möchte nicht als Jazzmusiker „per se“ eingestuft werden. Er beschreibt seinen musikalischen Ansatz so: „Mein Ziel ist es, neue Welten zu erforschen, und ich will nicht durch Kategorien dabei eingeschränkt werden. Ich will nicht, dass man mir sagt, dass ich nicht in andere Kategorien wechseln kann. Die einzigen Beschränkungen, die ich akzeptiere, sind die, die ich meiner eigenen Vorstellungskraft auferlege. Und da gibt es keine.“ Er hat sich selbst dabei als Raumschiffpiloten gesehen, der durch das All navigiert und aus dem Vorhandenen neue Klänge erschafft. So wurde er nicht zu Unrecht auch als „Alchemist“ bezeichnet, der die ihm zur Verfügung stehenden Elemente so verändert und vermischt, dass sich unendliche musikalische Möglichkeiten eröffnen. Und die nutzt er auch, um stets neue Ausdrucksmöglichkeiten zu entwickeln, die aber immer das musikalische Erbe bewahren.
So war Chico Freeman denn auch an dem Projekt einer Vielkanal-Klanginstallation in der New Yorker Galerie Engine 27 beteiligt. Das Ziel war eine 16-Kanal-Komposition mit verräumlichter Musik, die von Lautsprecher zu Lautsprecher durch den riesengroßen Raum flutete.

Während er zunächst in eigenen Gruppen den Avantgarde-Jazz weiter auslotete, wendete er sich Anfang der 80er Jahre der Tradition zu. U.a. gründete er die Formation The Leaders, der u.a. auch Arthur Blythe angehörte, und hatte mit Brainstorm seit 1989 auch eine Electric Band. Er spielte mit den innovativsten Musikern der Welt zusammen wie z.B. Elvin Jones, Jack DeJohnette, Sam Rivers, McCoy Tyner, Sun Ra, Lester Bowie und Wynton Marsalis, aber auch mit vielen lateinamerikanischen Größen wie Tito Puente.

Heute gilt Chico Freeman als einer der technisch brillantesten Saxofonisten der Gegenwart, wobei sein Sound von einer atemberaubenden Überblastechnik geprägt ist, die das ihm zur Verfügung stehende Tonspektrum ja noch erweitert. Nicht nur ist ihm eine sinnvolle und originelle Symbiose der Stilelemente anderer großer Jazzmusiker gelungen, sondern er hat neue Horizonte nicht nur für seine eigene Musik eröffnet.

Auch Fritz Pauer kam schon im Elternhaus mit dem Jazz in Berührung. In künstlerischer wie auch in menschlicher Hinsicht nennt er die Begegnung mit Hans Koller als entscheidendes Moment seiner Entwicklung: ohne ihn wäre er kaum Jazzmusiker geworden, äußerte er einmal. So wurde er es: Als Pianist, Komponist und Arrangeur wirkte er in seiner Heimatstadt Wien und in Berlin, und er war lange Jahre als Lehrkraft an den Musikhochschulen in Wien und Graz tätig. Fritz Pauer wirkte bei unzähligen Konzerten als Solopianist mit, war aber auch Konzertpartner von internationalen Jazzgrößen wie Bob Brookmeyer, Art Farmer, Dexter Gordon, Dave Liebman und Charlie Mariano. Eher bescheiden und bodenständig, ist Fritz Pauer nicht aus der mitteleuropäischen Jazzszene wegzudenken.

» Weitere Informationen:
Chico Freeman
Fritz Pauer

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
– Konzertkasse, Braunschweig, Schild 1a, Tel.: 01805 / 331111
(14 Cent/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 42 Cent/Min.)
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

Eintritt: Abendkasse 20 € / 18 € (ermäßigt) / 7 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Landessparkasse
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig
Radio Okerwelle

Kritik zu „Colina / Miralta / Sambeat Trio“

Hey, Mr. Bassman

Schon mal was von Jazz aus Spanien gehört? Taucht nicht auf in der Jazz-Landkarte. Wetten? Und dann kommen drei Herren daher und zeigen, wo die Jazz-Harke auch noch liegen kann. Ja, in Spanien nämlich. Erfreulicherweise schreckte der relative Bekanntheitsmangel des Colina-Miralta-Sambeat-Trios das Braunschweiger Publikum nicht ab. Nahezu ausverkauft war das Modern Jazz Konzert der Initiative Jazz Braunschweig am Freitagabend im Lindenhof.
Die Neugier wurde belohnt. Geboten wurde ein kurzweiliger Jazz-Spaziergang. Mal wurde ein Standard groovemäßig aufgefrischt ( Cole Porters „Love for sale“), mal ein Klassiker von Thelonious Monk Cha-Cha-Cha-artig verfremdet. Mal tauchte eine kubanische Melodie auf, dann ging es nach Afrika. Der 30er-Jahre Musical-Song „You and the night and the music“ erhielt ein Flamenco-Gewand. Eine südafrikanische Hymne wurde zum Jazz-Instrumental. Mal Elegie, mal Up Tempo-Nummer. Nein, Langeweile war nicht angesagt.
Allein die Tatsache, dass da ein Trio ohne ein Melodieinstrument antrat, konnte schon neugierig machen. Denn: Was passiert, wenn der Saxofonist Perico Sambeat die Melodie der wundervoll melancholischen Komposition „Verdad amarga“ vorgestellt und improvisatorisch bearbeitet hat?
Bass und Schlagzeug müssen dann zeigen, dass auch sie in der Lage sind, melodisch in Erscheinung zu treten, nicht die eher dienende Begleiterrolle zu spielen. Schlagzeuger Marc Miralta gelang beides: Feinfühliges Spielen nur mit den Händen oder mit dem Besen ließ die Melodie aufscheinen, dann wiederum durchbrach er mit einem wahren Off-Beat-Gewitter rhythmische Grundmuster. Dass er über Mikros abgenommen wurde, war allerdings überflüssig bis störend. In den dynamisch zurückgenommenen Passagen des Konzertes konnte man auch die leiseste Beckenarbeit vernehmen, und wenn die Post abging, hatte der Mann reichlich Power in den Sticks.
Mann des Abends aber war, ohne damit die Leistung der Mitspieler schmälern zu wollen, der Bassist Javier Colina. Es geschieht ja nicht so oft, dass ein Musiker das Publikum ausnahmslos in seinen Bann zieht. Und das auch noch bei einem Stück, das für Jazzer eher ein gefährliches Terrain darstellt, nämlich bei der Bearbeitung von Miriam Makebas Welthit „Pata Pata“. Wie leicht kann man an der Melodie kleben bleiben oder aber sich absichtsvoll zu weit entfernen.
Colina spielte mal Legato, dann wieder in scharfer Einzeltonsetzung. Immer in Opposition zum Saxofonisten, mal die Melodie, mal den Rhythmus herausstellend. Als er gar dann in seinem Solo ausgedehnt Akkorde auf seinem Kontrabass spielte, war es totenstill im Saal. Das war nicht nur Bewunderung des handwerklichen Könnens, nein, das war Ergriffenheit von der Schönheit der Musik, die sein Spielen da aufscheinen ließ.
Kammermusikalischer Jazz feiner Art. Spanien – auch ein Jazz-Land.

Klaus Gohlke

Colina / Miralta / Sambeat Trio

Lindenhof „Da Paolo“, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Javier Colina: Kontrabaß
Marc Miralta: Schlagzeug
Perico Sambeat: Saxophon

Als das spanische Trio Colina-Miralta-Sambeat 2007 sein Debüt-Album „Karonte“ herausbrachte, erschien ein neuer Stern am europäischen Jazzhimmel, der mit der zweiten CD-Veröffentlichung „Andando“ in diesem Jahr immer heller erstrahlt. Das liegt nicht zuletzt daran, dass der Jazz, den sie spielen, nicht sich selbst genügt, sondern vom Flamenco und von lateinamerikanischer Musik und Rhythmik inspiriert ist. Von den Medien begeistert aufgenommen haben die beiden CD’s für das Trio in den beiden Amerikas, Europa und Afrika einen wahren Auftrittsreigen von Paris über London nach Buenos Aires eingeläutet.

Javier Colina wird nicht nur als der spanische Meister auf dem Kontrabass, sondern auch als einer der besten Kontrabassisten der europäischen Gegenwart gehandelt, während Perico Sambeat der bedeutendste spanische Saxofonist sein dürfte. Der Schlagzeuger Marc Miralta mit seiner internationalen Erfahrung ist der Dritte im Bunde und führt das Trio zu einer Einheit, wie sie im europäischen Raum eher selten zu hören ist. So ist es kein Wunder, dass sich die Liste der Musiker, mit denen sie zusammen arbeiten, wie ein Who’s Who des modernen Jazz ausnimmt: Gerardo Nuñez, Company Segundo, Enrique Morente, Chano Dominguez – ganz abgesehen von den Großen des Jazz, auf die sie in den USA getroffen sind.

Auch die musikalische Historie dieser drei Musiker ist beeindruckend und spricht für sich:

Javier Colina machte erstmalig in den 90er Jahren von sich reden, als er zusammen mit Chano Domínguez und Guillermo McGuill das bekannteste Jazz-Trio Spaniens bildete, das vor allem Jazz-Flamenco spielte. Aber gleichzeitig trat er mit anderen Jazzgrößen auf und ließ sich von der Musik Malis inspirieren. Er begleitete den Kora-Meister Toumani Diabaté und spielte mit ihm die CD „Djelika“ ein. Mit Stolz erfüllt ihn auch seine Arbeit mit der Fort Apache Band, mit der er alle Möglichkeiten der Fusion von Jazz und Latin ausloten konnte und wo er mit dem Trompeter Jerry González einen kongenialen Partner fand.

Perico Sambeat dürfte der auf der internationalen Bühne wohl am besten bekannte spanische Jazz-Saxofonist sein. Als Kind lernte er Klavier, studierte klassische Flöte und besuchte danach die berühmte Jazz-Schule Taller de Música in Barcelona. Das Saxofon-Spiel brachte er sich ab 1980 selbst bei. 1991 ging er nach New York, wo er auf Lee Konitz, Joe Chambers und Jimmy Cobb traf. Und auch auf Marc Miralta.

Marc Miralta begann bereits im Alter von 7 Jahren Schlagzeug zu spielen und nahm mit 11 Jahren die ersten Unterrichtsstunden im Fach Drums/ Percussion. 1990 begann er sein Studium am Berklee College of Music in Boston, das er 1993 beendete. Seitdem ist er selbst Lehrer an der Taller de Música in Barcelona.

Wir können uns also wieder einmal auf ein Konzert freuen, das uns Facetten des modernen Jazz bietet, die wir in Braunschweig in dieser Art noch nicht gehört haben.

Karten:
– Musikalienhandlung Bartels, Braunschweig, Schlosspassage, Tel.: 0531 / 125712
– Tourist-Büro Braunschweig (Am Dom), Tel.: 0531 / 470-2040
– Konzertkasse, Braunschweig, Schild 1a, Tel.: 01805 / 331111
(14 Cent/Min. aus dem Festnetz; Mobilfunk max. 42 Cent/Min.)
– Online über eventim
– Abendkasse
– und weitere …

» Weitere Informationen

Eintritt: Abendkasse 17 € / 15 € (ermäßigt) / 7 € (SchülerInnen)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweiger Flammenfilter GmbH, PROTEGO
Kulturinstitut der Stadt Braunschweig