Kritik zu „Dietmar Osterburg Trio“

BZ-Kultur: Das Dietmar Osterburg Trio. Freitag, 16. 12.2008 20 Uhr im Lindenhof Braunschweig.

Ach, so müsste man Gitarre spielen können

>„Lob ist etwas Feines, kann aber auch lähmen. Wenn die Jazz-Fachpresse einen Gitarristen „einen ganz großartigen europäischen Modern-Jazz-Gitarristen“ nennt bzw. sein Werk als
„Meisterwerk und Offenbarung“ anschwelgt, dann erwartet das interessierte Publikum Repsektables. Wie aber gehen die Musiker damit um? Das war die Frage, die sich am Freitagabend beim Jahresabschlusskonzert der Musikerinitiative Braunschweig auftat. Antwort geben musste das Dietmar Osterburg-Trio mit dem Braunschweiger Gitarristen Dietmar Osterburg , André Neygenfind aus Wolfsburg am Bass und Eddie Filipp am Schlagzeug, ebenfalls aus Braunschweig.
Und zunächst schien es auch so, als lähmte der Erwartungsdruck die Musiker eher. Die beiden ersten Stücke waren wohl gefällig, aber vom Aufbau und dem Tempo her recht ähnlich. Das ließ einen wohl anspruchsvollen, aber doch weniger spannenden Musikabend vermuten.
Je länger aber das Trio spielte, desto mehr kamen die solistischen Fertigkeiten und die Stärken des Zusammenspiels zutage. Osterburg demonstrierte beim ausgedehnten Intro seines Stückes „Candle“ seine stupende Fingerfertigkeit. Sehr schön die rasanten Singlenotes-Läufe und die diese unterbrechenden Akkordtupfer.
Ein Höhepunkt des ersten Sets war zweifelsohne Osterburgs komplexe Komposition „Meanwhile“. Die vertrackte Komposition bewältigte das Dreigespann elegant, das Zusammenspiel machte sichtbar Freude. Die Musiker verstanden es, die Dynamik des Stückes über einen langen Zeitraum zu entwickeln. Beeindruckend waren die Unisono-Passagen von Bass und Gitarre, die aber nicht ins Endlose ausgedehnt wurden. Hier phrasierte das Schlagzeug eigenständig – endlich mochte man sagen, denn zu oft begleitete der Drummer mehr, als dass er ganz eigene Akzente setzte.
Stilsicher bewegte sich das Trio zwischen den Genres moderner Jazzmusik, gleich ob Latin oder die Übertragung der schwedischen Ostküstenlandschaft in Soundscapes. Einmal, leider nur einmal, griff Osterburg zu seiner Solid-Body-Guitar und ließ es recht funky im ungraden Rhythmus jazz-rocken.
So ist es dem Dietmar Osterburg Trio gelungen, durch geschickte Kombination von Stilrichtungen, Tempi, musikalischen Formen einen sehr ansprechenden Musikgenuss zu verschaffen. Die Anfangszweifel waren unangebracht. Was sagte ein Zuhörer? „Ach, so müsste man Gitarre spielen können. Ich weiß gar nicht, wie der das macht!“ Genau! <

Klaus Gohlke

Dietmar Osterburg Trio

Lindenhof „Da Paolo“, Kasernenstraße 20, Braunschweig

Dietmar Osterburg (Gitarren)
André Neygenfind (Bass)
Eddie Filipp (Schlagzeug)

Der Braunschweiger Gitarrist und Komponist Dietmar Osterburg, dessen Debüt-CD „For A While“ als „gitarristische Großleistung“, er selbst als „ein ganz großartiger europäischer Modern-Jazz Gitarrist“ (Jazzpodium) hochgelobt wurde, spielt mit seinem Trio eigene Kompositionen, die sich souverän durch die verschiedenen Stilarten des modernen Jazz bewegen: Lyrische Balladen, modaler Jazz, Latin, freie Improvisationen, rockige Anklänge.

Im Vordergrund steht dabei das dynamische und interaktive Zusammenspiel der Bandmitglieder, die die gestalterischen Möglichkeiten einer kleinen Besetzung hörbar genießen.. Mit dabei sind neben Dietmar Osterburg an elektrischer und akustischer Gitarre André Neygenfind am Bass und Eddie Filipp am Schlagzeug.

Jazzpodium schrieb zur Debüt-CD: „Es ist ein Album der Superlative schlechthin, dem, ganz einfach, überhaupt nichts fehlt… ein Gitarrist von verblüffend starker, intensiver Aussagekraft…. von überraschend ausgereifter, heutzutage ganz erstaunlicher eigener Handschrift… glückliches Braunschweig! Mindestens fünf Sterne!“

Die ersten musikalischen Erfahrungen von Dietmar Osterburg (geboren im Dezember 1962) hatten noch keinerlei Berührungspunkte mit dem Jazz. Zehn Jahre lang lernte er Geige, nahm (mit diversen Preisen belohnt) bei „Jugend musiziert“ teil und war Mitglied in verschiedenen Orchestern. Die Gitarre und der Jazz kamen später, da war er 18 Jahre alt. Nach einem Studium der Germanistik und Erziehungswissenschaft in Hamburg, wo er Gitarrenunterricht nahm, entschied er sich zum Musikstudium, das er zunächst für ein Jahr in Hilversum/Niederlande, danach bis zum Diplom in Hannover absolvierte. In Hannover kam als Instrument der Kontrabass hinzu. Zunächst konzentrierte sich Dietmar Osterburg auf den Bass, spielte auf zahlreichen Festivals unter anderen mit Uli Beckerhoff und Benny Bailey zusammen und ist seit Jahren Mitglied der Band des Sinto-Geigers Martin Weiss. Doch in jüngster Zeit spielt die Gitarre eine zunehmende Rolle. Mit durchschlagendem Erfolg.

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Eintritt: 15,- € (Abendkasse)

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Rudresh Mahanthappa´s CODEBOOK feat. Vijay Iyer

Lindenhof „Da Paolo“, Kasernenstraße 20

Rudresh Mahanthappa (Altsaxophon)
Vijay Iyer (Piano)
Carlo de Rosa (Bass)
Dan Weiss (Schlagzeug)

Jazz voller Vitalität, Spiellust und Interaktion bietet das Quartett des Saxophonisten Rudresh Mahanthappa mit dem Pianisten Vijay Iyer. Die beiden US-Amerikaner (Jahrgang 1971), Söhne indischer Einwanderer, gehören zu den Jungstars der amerikanischen Jazzszene. Ihre Musik basiert auf komplexen rhythmischen Strukturen und findet die Balance zwischen klarer Form und improvisatorischer Freiheit. Ihr Album „Codebook“ (2006) wurde von der Kritik gefeiert.

Rudresh Mahanthappa spielt das Altsaxophon kraftvoll, sein Ton hat eine drängende Dichte. In seinen Soli baut er unaufdringlich rhythmische Pattern indischer Musik ein. Das gilt auch für Vijay Iyer, dessen Pianostil rhythmische und melodische Färbungen einbezieht in der Musik der südindischen Kulturregion Karnataka.
Rudresh Mahanthappa studierte am Berklee College of Music in Boston und an der DePaul University in Chicago. Als einflussreiche Musiker nennt er John Coltrane, Charlie Parker, aber auch unter anderen Bela Bartok. Er trat mit Musikern wie Dave Liebman, Greg Osby, David Murray, Jack DeJohnette und Steve Coleman. Coleman war es auch der Rudresh Mahanthappa und Vijay Iyer 1995 miteinander bekannt machte.

Iyer, der in Rochester im Umfeld indischer Einwanderer mit deren Musik und westlicher Klassik aufgewachsen ist, studierte Musik und promovierte an der University of California Berkeley und kam erst spät über die Rockmusik zum Jazz. Seit 1998 lebt er in New York.
Vijay Iyer in einem Gespräch (in Jazzthing): „Rudresh und ich gehören zur ersten Generation indischer Amerikaner. Wir waren früh getrieben von Identitätssuche. Wer wir wirklich sind, oder zumindest eine Ahnung davon , haben wir durch die Musik erfahren.“

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Eintritt: 15,- € (Abendkasse)

Herman Kathan’s Busch-Werk and the Masters of Groove

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße 1

Jazz in der Landessparkasse Braunschweig

Stargäste:
Trilok Gurtu
Famadou Konaté
Nippy Noya
Jonas Hellborg

Das dürfte ein Meilenstein der Perkussions-Geschichte werden: Herman Kathan’s Busch-Werk, ein reines Perkussions-Ensemble, kommt zum Konzert mit vier Stargästen, drei davon Perkussionisten. Allen voran Trilok Gurtu aus Indien, als Meister des Tabla-Spiels einer der gefragtesten Perkussionisten überhaupt. Famoudou Konaté aus Guinea (Westafrika) ist ein Virtuose komplexer Rhythmen auf der Djembé-Trommel. Bassist Jonas Hellborg aus Schweden, der seine Virtuosität in unterschiedlichen Genres wie Jazz, Rock, „Worldmusic“ und zuletzt klassischer indischer Musik unter Beweis gestellt hat, spielt seinen Bass mitunter als wäre es ein reines Perkussions-Instrument. Nippy Noya aus Indonesien gilt als einer der Pioniere in der europäischen Perkussions-Szene.

Als Botschafter des Rhythmus versteht sich das Perkussions-Ensemble Busch-Werk, das seit zehn Jahren besteht und mit wechselnden internationalen Gästen unterschiedliche musikalische Welten zusammen führt. Unter der Federführung des leidenschaftlichen Perkussionisten Herman Kathan (afrikanische und brasilianische Trommeln, Seiteninstrumente) sind Norbert Schubert (kubanische und afrikanische Trommeln), Roberto D’Agostino (Drumset, Steeldrum) und Michael Siefke (koreanische, balinesische und japanische Perkussion) bestens mit der rhythmischen Vielfalt unterschiedlicher Kulturen vertraut.

Trilok Gurtu (Jahrgang 1951), der bei seinen Auftritten von unzähligen Perkussions-Instrumente (Tabla, Bongo, Tom Tom, Snaredrum, Becken, Hi Hat, Gong, Glocken) umgeben ist, wurde vor allem als Vermittler zwischen indischen und westlichen Musik-Traditionen berühmt. Schon mit zehn Jahren spielte er mit seinem Bruder Ravi in einer Perkussions-Gruppe und lernte früh, neben dem Tabla-Spiel auch mit Bongos und dem Schlagzeug umzugehen. Zu den Musikern, die ihn beeinflussten, zählt er vor allem John Coltrane, Jimi Hendrix, James Brown und The Supremes. In den 70er und 80er Jahren hat Gurtu die Jazzszene belebt. Er spielte mit vielen Jazzstars zusammen, angefangen bei Charlie Mariano über Don Cherry, Jan Garbarek, Philip Catherine, Gil Evans, Airto Moreira, Paul Bley bis zu John McLaughlin, Pharao Sanders , Pat Metheny und Joe Zawinul. Seit Mitte der 90er Jahre wandte sich Gurtu mehr und mehr der „Worldmusic“ zu und spielte mit Musikern aus Indien und Afrika (Salif Keita, Wasis Diop, Angélique Kidjo, Jabu Khanyile) zusammen.

Eintritt: 20,- € (Abendkasse)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Landessparkasse

Otto Wolters & Friends

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße 1

30 Jahre Musiker-Initiative Braunschweig e.V.
Jazz in der Landessparkasse Braunschweig

Otto Wolters: Piano
Norbert Gottschalk: Gesang
Peter O’Mara: Gitarre
Uli Beckerhoff: Trompete
Matthias Nadolny: Tenorsaxophon
Gunnar Plümer: Bass
Michael Küttner: Schlagzeug

Zum Jubiläumskonzert „30 Jahre Musiker-Initiative Braunschweig“ spielt Gründungsmitglied Otto Wolters, der gerade 70 Jahre alt geworden ist, mit einem Septett aus Freunden und Weggefährten. Als Musiker, die gemeinsam seit nun schon 24 Jahren Dozenten beim jährlichen Jazz-Workshop in Bielefeld sind und die alle eigene Projekte haben, sind sie in allen Stilrichtungen des Modern Jazz zu Hause.

Der Pianist Otto Wolters ist ein Urgestein der Braunschweiger Jazzszene. Technisch brillant dank einer 10jährigen klassischen Klavierausbildung und offen für die Trends des Modern Jazz hat sich Otto Wolters einen Namen in Deutschland gemacht. Seine CD „Ever Green“ (1999), auf der er deutsche Ohrwürmer für sein Jazztrio (mit Gunnar Plümer und Michael Küttner) arrangiert hat, zeigt dies besonders deutlich mit Witz, Virtuosität und ausgeprägtem Jazzfeeling. Wolters lehrte seit 1974 als Dozent für Jazzpiano an der Musikhochschule Hannover und seit 1986 als Musiklehrer an der Städtischen Musikschule Braunschweig – bis zu seiner Pensionierung 2003.
Sänger Norbert Gottschalk setzt seine Stimme wie ein Instrument ein. Das gelingt ihm deshalb so gut, weil er als großartiger Live-Musiker auch hervorragend Gitarre und Trompete spielt. Gottschalk unterrichtet Jazzgesang an der Jazz&Rock-Schule Freiburg und am Staatlichen Konservatorium für Musik in Maastrich (Niederlande)..
Uli Beckerhoff gehört zu den namhaftesten Trompetern in Europa. Auf mehr als 40 LPs/CDs, viele davon als Bandleader, ist er zu hören. Beckerhoff ist Professor für Jazztrompete an der Folkwang-Hochschule in Essen.
Tenorsaxophonist Matthias Nadolny hat sich mit seinem rauchigen, sonoren und unverwechselbaren Sound einen Namen gemacht. Auch er ist Dozent an der Folkwang-Hochschule in Essen.
Peter O’Mara ist als Gitarrist und Komponist an mehr als 30 CD-Produktionen beteiligt, meist als Bandleader. Geboren in Sydney, Australien, ging er nach New York und übersiedelte 1981 nach München. O’Mara ist Professor an der Hochschule in Linz und am Konservatorium in München.
Gunnar Plümer ist dank seines klanglich eigenständigen Spiels ein gefragter Bassist in Europa und war an vielen Platten- und CD-Produktionen beteiligt.
Michael Küttner ist ein innovativer Schlagzeuger, dessen interkultureller Stil auf klassische Musik, afrikanische Folklore und Jazz zurückgreift. Er ist mit namhaften Musikern auf mehr als 30 LP- und CD-Einspielungen zu hören.

Eintritt: 17,- € (Abendkasse)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Landessparkasse

Roger Hanschel Quartett – Heavy Rotation

„Da Paolo“ Lindenhof, Kasernenstraße 20

Roger Hanschel: Saxophon
Markus Segschneider: Gitarre
Dietmar Fuhr: Bass
Daniel Schröteler: Schlagzeug

Kraftvollen Modern Jazz, der die klangliche und kompositorische Fülle mit zeitgenössischer Kammermusik verbindet, spielt Saxophonist Roger Hanschel, seit 1987 Mitglied der „Kölner Saxophon Mafia“, mit seinem Quartett „Heavy Rotation“. Markus Segschneider (Gitarre) Dietmar Fuhr (Bass) und Daniel Schröteler (Schlagzeug) sind Hanschels Partner für eine „kraftvoll-differenzierte Virtuosenmusik“ (Frankfurter Rundschau).

Roger Hanschel, 1964 in Wolfsburg geboren, begann mit 11 Jahren das Saxophonspielen, gründete mit 14 die erste eigene Band, studierte von 1981 bis 1987 Saxophon an der Musikhochschule Köln und ein Jahr in Banff/Kanada bei Dave Liebman und Dave Holland. Mit seinem Quartett Nana spielte er von 1983 bis 1988 zusammen. Dabei wurde neben dem Saxophon mehr und mehr das Komponieren ein Schwerpunkt. Mit der Kölner Saxophon Mafia war Hanschel auf internationalen Konzerttourneen, errang insgesamt 4 deutsche Schallplattenpreise und den SWR-Jazzpreis 1999. Seit 1995 Arbeitet der Saxophonist im Duo mit der Sängerin Gabriele Hasler zusammen, 1998 realisiert er eine Komposition für Saxophon und Streichquartett, gründet 2000 „Triosphere“ (mit dem Gitarristen Dirk Mündelein und dem Saxophonisten Steffen Schorn) und schließlich 2006 „Heavy Rotation“, wo alle musikalischen Einflüsse zusammenfließen.

„Obwohl seine Stücke auf komplexen rhythmischen Strukturen basieren und sich auch auf die Harmonik und Melodik von Neuer Musik und Avantgarde beziehen, klingen sie weder kopfig abgehoben noch intellektuell unterkühlt. Dieser Vierer macht dem Bandnamen alle Ehre und rockt manches Mal sogar mit kräftigen „grooves“ und saftigen Riffs“, schreibt Martin Laurentius in Jazzthing (11/2007).

Eintritt: 15,- € (Abendkasse)

Mit freundlicher Unterstützung:
GOD, Gesellschaft für Organisation und Datenverarbeitung mbH

Philip Catherine String Trio

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße

Philip Catherine: Gitarre
Alexandre Cavaliére: Violine
Quentin Liégeois: Gitarre

Philip Catherine (Jahrgang 1942), als Allround-Gitarrist seit den 60er Jahren in der europäischen Jazzszene dabei, kehrt mit seinem neu gegründeten Trio zu einer seiner musikalischen Wurzeln zurück: zu Django Reinhardt mit seinem rhythmisch dynamischen Gitarrenspiel im Hot Club de France in der Swing-Ära. Dazu hat sich Catherine zwei junge Musiker geholt, den Violin-Virtuosen Alexandre Cavaliére (Jahrgang 1985) und den Gitarristen Quentin Liégeois (Jahrgang 1980).

Vielseitig, anpassungsfähig, virtuos und technisch brillant ist Philip Catherine, der akustische und elektrische Gitarren gleichermaßen perfekt spielen kann. Seine musikalische Sensibilität zeigt sich auch in seinen eigenen Kompositionen, die neben einigen Reinhardt-Stücken im Mittelpunkt seines akustischen Trios stehen.

Geboren in London, aufgewachsen in Brüssel lernte Philip Catherine mit 14 Jahren Gitarre und tourte bereits mit 18 Jahren mit dem Organisten Lou Bennett durch Europa. „Young Django“ nannte ihn Charles Mingus, als er ihn 1977 für die Aufnahme von „Three Or Four Shades Of Blues“ geholt hatte. „Young Django“ hieß auch die 1979 eingespielte Platte mit Stéphane Grapelli und Larry Coryell, auf der er die Django-Tradition in moderner Jazz-Perspektive aufleben ließ. Durch seine Mitgliedschaft bei Pork Pie, der Anfang der 70er Jahre wichtigsten europäischen Rock-Jazz-Gruppe mit Charlie Mariano und Jasper van’t Hof, und durch zahlreiche Duo-Auftritte mit dem Gitarristen Larry Coryell erreichte Philip Catherine einen internationalen Ruf. Zu den unzähligen Musikern, mit denen Catherine zusammen gespielt hat, zählen: Jean-Luc Ponty, Chet Baker, Stephane Grapelli, Dexter Gordon, Niels-Henning Ørsted Petersen, Joachim Kühn, Toots Thielemans.

Eintritt: 17,- € (Abendkasse)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Landessparkasse

Enrico Rava – Stefano Bollani Duo

Braunschweigische Landessparkasse, Dankwardstraße

Enrico Rava: Trompete
Stefano Bollani: Piano

Der italienische Trompeter und Komponist Enrico Rava (Jahrgang 1939) gehört zu den Pionieren des europäischen Jazz. Beeinflusst vor allem von Miles Davis und Chet Baker entwickelte er einen spannungsgeladenen eigenen Stil, der bei aller Wildheit immer klar auf melodische Linien bezogen ist. „Sein warmer, offener Sound strahlt in klassischer Kultiviertheit“ (Jazz-Lexikon). Sein Duo-Partner, der mehr als 30 Jahre jüngere Stefano Bollani, der Ende der neunziger Jahre aus der Band Ravas hervorging, „ist der europäische Jazzpianist mit der wohl größten Delikatesse und Raffinesse im Anschlag“, heißt es in „Das Jazzbuch“. Im Duo-Spiel der beiden treffen das sichere Gespür für Stil und Atmosphäre eines Enrico Rava auf die Expressivität und die Virtuosität eines Stefano Bollani.

„Ich hörte Miles Davis und kaufte mir sofort eine Trompete“, wird Enrico Rava im Jazz-Lexikon zitiert. Er war der erste europäische Musiker, der ab Mitte der sechziger Jahre in der New Yorker Szene Akzeptanz fand. Er spielte mit Gato Barbieri, Steve Lacy, Don Cherry, Carla Bley, Dollar Brand, Archie Shepp, um nur einige zu nennen. 1969 gündete Rava seine erste amerikanische Band mit dem damals noch unbekannten Gitarristen John Abercrombie. Zahlreiche Alben spielte Rava dann mit eigenen Gruppen, zumeist in Quartett-Besetzung, ein. Er schrieb daneben auch Filmmusik (unter anderen für Bernardo Bertulucci) und setzte sich seit den 80er Jahren intensiv mit der italienischer Musik, vor allem auch mit der Oper auseinander.

Rava lobt seinen Pianisten Stefano Bollani als „einen wirklichen Poeten am Klavier“. Seine brillanten Soli verarbeiten Einflüsse aus Chanson, Avantgarde, Rock und Klassik. „Bollani phrasiert ohne das weihevolle Pathos Keith Jarrettts, sondern mit einem ausgeprägten Sinn für Ironie und mediterranem Humor“, heißt es in „Das Jazzbuch“.

Eintritt: 17,- € (ermäßigt 15,- €)

Mit freundlicher Unterstützung:
Braunschweigische Landessparkasse

Myra Melford – Marty Ehrlich Duo

„Da Paolo“ Lindenhof, Kasernenstraße 20

Myra Melford: Piano
Marty Ehrlich: Saxofon

Myra Melford (Jahrgang 1957) gilt als talentierteste Pianistin und Komponistin im heutigen Jazz. Sie greift in ihrem freien Spiel die gesamte Jazztradition auf. „Blues und Boogie, Barrelhouse und Bop verarbeitet sie mit explosiver Kraft und rhythmischem Feeling zu Linien von außergewöhnlich kontrapunktischer Dichte“, so „Das Jazzbuch“. Marty Ehrlich (Jahrgang 1955), auch er in allen Stillagen des postmodernen Jazz zu Hause, ist mit seinen auch poetischen Klängen, die er Saxophon und Bassklarinette entlockt, ein kongenialer Duo-Partner.

Aufgewachsen in Chicago studierte Myra Melford Klavier, Komposition und Klavierpädagogik in Washington, Seattle und New York und hatte auch Privatunterricht bei dem vitalen Pianisten Don Pullen, von dem sie neben Cecil Taylor, Muhal Richard Abrams und Andrew Hill in ihrem expressiven Klavierspiel beeinflusst wurde. Ab 1984 in New York spielte sie um Avantgarde-Umfeld der Knitting Factory, gründete ein Trio und gastierte seit 1990 auf alljährlich auf europäischen Festivals. Außer mit Trio und Quintett spielte sie auch mit dem eigenen Improvisationsensemble „The Same River, Twice“ und im Duo. Mit Marty Ehrlich arbeitet sie seit 15 Jahren zusammen. Die erste Duo-CD „Yet Can Spring“ spielten die beiden 2000 ein.

Marty Ehrlich ist nicht nur Multiinstrumentalist (Saxophone, Klarinetten, Flöte), sondern auch Multistilist, der die Summe aus Avantgarde und Tradition zieht. Aufgewachsen in St. Louis lernt er mit sieben Jahren das Klarinettenspiel, erweitert als Jugendlicher das Instrumentenspektrum und studiert am Konservatorium in Boston bei George Russell und Jaki Byard. Ab 1978 in New York spielte er unter anderen mit Anthony Braxton, Muhal Richard Abrams, Gunter Schuller, Jack DeJohnette, Peter Erskine, Roscoe Mitchell und John Zorn.

Eintritt: 15,- € (ermäßigt 13,- €)

Mit freundlicher Unterstützung:
ckc integrated solutions AG, Braunschweig

Heinz Sauer & Michael Wollny Duo

„Da Paolo“ Lindenhof, Kasernenstraße 20

Heinz Sauer: Tenorsaxophon
Michael Wollny: Klavier

Heinz Sauer, einer der prägenden Saxophonisten des bundesdeutschen Nachkriegsjazz, und Michael Wollny, die große Jazz-Entdeckung am Klavier des Jahres 2005 in Deutschland, trennen 46 Jahre. Sauer (Jahrgang 1932) ist groß geworden mit dem Jazz als Ausdrucks des Neubeginns nach Nazi-Diktatur und zweitem Weltkrieg. Wollny (Jahrgang 1978) dagegen ist aufgewachsen in Zeiten des Stile-Pluralismus, in dem musikalisch alles erlaubt ist, Einflüsse aus allen Jazz-, Funk- und Rockepochen in der improvisierten Musik verarbeitet werden. Beide Musiker zeichnet eine immense Intensität aus, die sie im Duo-Spiel zur Geltung bringen.
Sauer hat einen Saxophonton, den der Kritiker Ulrich Ohlshausen einmal mit strömender Lava verglichen hat, ein Ton, der sich mit elementarer Kraft ergießt und der dann in ganz vielen verblüffenden Farbnuancen verglimmt. Wollny überzeugt mit seinen überraschenden Eruptionen am Klavier, seinen nach allen Seiten stiebenden Klang-Splittern aus einer harmonisch völlig freien Welt , die die Frage nach Tonalität und Atonalität längst hinter sich gelassen hat.
Überschwängliche Kritiken bekam das Duo für ihre erste CD Melancholia“ (2005), hochgelobt auch die zweite CD „Certain Beauty“ (2006), auf der das Stücke-Spektrum von Gerschwins „I Love You, Porgy“ über Monks „Evidence“ und „Ruby My Dear“ bis „Nothing Compares 2 You“ von Prince reicht.
Heinz Sauer wurde 1932 in Merseburg geboren. Seit 1960 ist er als Saxophonist und Komponist für das Jazz-Ensemble des Hessischen Rundfunks tätig. Von 1960 bis 1978 war er Mitglied der Band des Posaunisten Albert Mangeldorff. 1991 erhielt er den Jazzpreis der Hessischen Landesregierung, 1999 den Albert Mangelsdorff-Preis.
Michael Wollny, 1978 in Schweinfurt geboren, studierte Jazz-Piano an der Hochschule für Musik in Würzburg, spielte in verschiedenen Formationen. Zusammen mit Eva Kruse (Cello) und Eric Schaefer (Schlagzeug) gründete er das Trio „(em)“.

Eintritt: 15,- € (ermäßigt 13,- €)

Mit freundlicher Unterstützung:
Öffentliche Versicherung Braunschweig

Jonas Schoen Quintett

„Da Paolo“ Lindenhof, Kasernenstraße 20

Jonas Schoen: Saxofon, Bandoneon
Sandra Hempel: Gitarre
Buggy Braune: Piano
Paul Imm: Bass
Heinrich Köbberling: Schlagzeug

Der Verbindung von Tango und Jazz zu einem neuen großen Ganzen“ widmet sich der Berliner Saxophonist und Komponist Jonas Schoen (Jahrgang 1970). Die Magie des „Tango Nuevo“ eines Astor Piazzollas mit der Kraft
bildhafter Motive treffen auf die Energie des interaktiven
Zusammenspiels und den solistischen Ideenreichtum des Modern Jazz.

Ausgangspunkt ist die Musik, die Schoen 1997 für den Kurzfilm „Jeden Tag Weihnachten“ komponiert hat und die von der inzwischen gestorbenen Bandoneon-Legende Hugo Diaz gespielt wurde. Nun stellt Schoen diese
Musik und den betörenden Klang des Bandoneons, das er inzwischen neben dem Saxophon spielt, in den Zusammenhang seiner Jazzband. Mit Buggy
Braune am Klavier, Sandra Hempel an der Gitarre, Paul Imm am Bass und Heinrich Köbberling am Schlagzeug hat Schoen („der große Melodiker“, NDR) ein Quintett zusammengestellt, das diese Musik facettenreich und
solistisch brillant umsetzt.

„Travesia“, also Überfahrt, hat Jonas Schoen die CD genannt. Gemeint ist damit einmal die Überfahrt von Heinrich Bands Handzuginstrument von Krefeld nach Amerika und, viel später, die des Tango zurück nach Europa. In „Travesia“ klinge aber auch mit, wenn Musik im Stile Piazzollas auf die interaktive Spielpraxis einer Jazzband übertragen wird und die „Filmmusik“ im Modern Jazz neu atmen darf, stellt Schoen fest, der seit drei Jahren an der Musikhochschule Hannover Professor für Jazzkomposition, Saxophon und Bigband ist.

Eintritt: 15,- € (ermäßigt 13,- €)